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  Aktuellere Beiträge (nach dem 31.01.04)

31.01.2004

MyDoom - der Wurm der die Welt aus den Angeln hebt?

Nun windet er sich also seit 1 Woche durch Fachmagazine, Tageszeitungen, Nachrichten - und natürlich durchs Internet: MyDoom, der angeblich schlimmste Computer-Wurm aller Zeiten. Berufene und Unberufene schätzen bereits den durch ihn verursachten weltweiten Schaden, noch ehe er richtig losgelegt hat; Die Softwaregrössen setzen Kopfprämien in erklecklicher Höhe aus; die Virenscanner-Firmen reiben sich die Hände, denn die User kaufen alles, was Sicherheit verspricht, wo Virus draufsteht - da ist Sicherheit drin...

Dass Virenscanner »es nicht bringen«, beweist jeder ernsthafte Test und die tägliche Praxis: Nicht aktuell, schlecht programmiert und - was viel schlimmer ist - immer noch ein Loch drin im Internetexplorer, in Outlook & Co. Vielleicht sollte - vor allem Microsoft - die Kopfprämien in die Verbesserung seiner betroffenen Programme stecken, es sind ja »nur« die wesentlichen Produkte der Firma betroffen :-)

Andererseits finden, wie gesagt, PC-Magazine und vor allem die Informations-Pharma-Branche mit ihren Antivirusprodukten natürlich ein verängstigtes und damit willfähriges Publikum vor, zu faul sich um Betriebssysteme, sichere Browser und E-Mail-Programme zu kümmern - Geld indes haben sie für zweifelhafte und in der Regel zu spät kommende (vermeintliche) Schutzprodukte.

Warum sagt dem verehrten Publikum eigentlich nicht endlich jemand berufener, dass Faulheit wie Dummheit auch Strafe hinter sich herziehen? Dass nicht alles angeklickt werden muss, was nach einem Link aussieht? Dass es Browser gibt, die die unermesslich vielen Sicherheitslöcher des IE nicht haben? Dass Microsoftprodukte eben anfälliger sind als andere? Dass es wirklich sichere Alternativen gibt zum »buy & use« ?

Wenn vor allem Firmen es nicht fertig bringen, ihren E-Mail-Eingang so zu kontrollieren, dass Unbekanntes erst mal zur Seite gelegt wird - in der Tat, da kann mann den »Normalbenutzer« nicht schelten. Fest steht: Es gibt die Produkte, die Viren-, Würmer- und sonstwie verseuchten E-Mails zuverlässigt und unabhängig von den schlappen Virenscannern zuverlässig neutralisiert, ohne tägliche Updates und all dem Schwachsinn...

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30.01.2004

Apropos Konjunktiv in der Politik

Es ist keine neue Erkenntnis, dass der Konjunktiv in der Politik ein unersetzliches Mittel ist, um den »deutschen Michel« ja nicht zu wecken. Die Steigerung - also noch konjunktiver - ist es aber, den Indikativ einzusetzen, um »etwas mögliches oder irreales« anzukündigen:

»Wenn die Wirtschaft anziehen würde, dann könnte das u.U. zu einem Abbau der Arbeitlosigkeit beitragen...« klingt doch ehrlich besch... gegenüber der superkonjunktivistischen Form »Im Zuge des derzeitigen dynamischen Wirtschaftwachstums wird als unmittelbare Zwangsfolge die Arbeitslosigkeit massiv und nachhaltig abgebaut«.

Na also, die Formulierung macht eben Politikersatz...

Nicht anders...

... auch bei der Vorbereitung der Nachfolge für den amtierenden Bundespräsidenten: Auch hier könnte man sich allerhand vorstellen, aber keiner wagt den Vorschlag, nur einer:

Also ich würde Walter Scheel vorschlagen.Das wäre nur fair. Der ist noch älter und der Arme hatte auch nur eine Amtszeit als Bundespräsident.

Stimme aus der FDP, zit. StZ, 30.1.04

Was ist denn eigentlich »KONKRET« ?

Ist gemein, das an dieser Stelle zu fragen. Wenn der Konjunktiv so en vogue ist, wo bleibt dann Konkretes? Die Allerwelts-Pressebietet da wenig. Den Gesichts- und Hirnkreis erweitert es, wenn man nach Alternativen sucht. Also: Kennt noch jemand KONKRET, die Zeitschrift? Oder den freitag? Der freitag z.B., finanziell sicher sehr schwach auf der Brust, stellt nicht nur seinen Lesern alle Artikel, alle Ausgaben kostenlos im Internet zur Verfügung, und das nicht nur für 14 Tage oder so; da könnten sich die »Allerweltsblätter« ein Beispiel nehmen...

Die Stuttgarter Zeitung nimmt dafür Geld in erheblichem Umfang. Ob das läuft, das Modell, wird sich zeigen. Gut gemacht ist es allerdings...

Nochmal: Hutton, Blair & Co.

Wenn man sich einen konventionellen, konservativen Richter aussucht, ist das Ergebnis vorhersehbar.

Anthony Skriver, ehem. Sprecher der britischen Anwaltskammer

Eine Antwort auf die Frage, warum unser Land überhaupt unter falschen Voraussetzungen in den Krieg gezogen ist, sind wir immer noch nicht näher gekommen.

Robin Cook, ehem. britischer Aussenminister, zit. StZ, 30.1.04

Die britische Öffentlichkeit ist also doch so leicht nicht täuschbar: Die Mehrheit hält den Huttenbericht in der Tat für das was er ganz sicher ist:
Ein personalisiertes Feinwaschmittel mit hohem Bleichfaktor...

Nicht genug...

... können wir uns an goldenen Handschlägen ergötzen - lässig angelehnt an das Goldene Blatt -- O-Ton: »Die wöchentliche Illustrierte ist Gold wert für jeden, der in der Prominenten-Szene auf dem Laufenden sein möchte.«

Mannesmann-Prozess: Dreckige Finger nach goldenem Handschlag

Der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hält die Kritik an den Boni und Entscheidungs-Abläufen im Fall Mannesmann für eine typisch deutsche Mäkelei. Ein Blick auf andere Fälle und über die Grenzen zeigt: Es ist mitnichten so.

FTD vom 28.1.2004

Handelt es sich am Ende immer um dieselbe Rasselbande, die uns an der Nase herumführt und gleichzeitig ihr Schäfchen ins Trockene zerrt...?

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29.01.2004

Wenn die Politik der Wirtschaft Untertan ist...

... dann haben wir Zustände wie derzeit: Die Gesundheitsreform als Flop, aus dem die Pharmabranche nahezu ungeschoren herauskommt, Übernahme-schlachten mit enormen Arbeitsplatzverlusten, gegen die Regierungen machtlos sind, auch wenn Schröder wieder den Holz-(mann)-Weg zu gehen versucht. Was noch? Das Maut-Diktat von Doll-Collect, der schlaffe Verkehrsminister, den Schröder im Gegensatz zu seiner Gesundheits-Ulla nicht zurückpfeift...

Huttons Weiss-Wasch-Wirkung

Während sich selbst in der US-Administration das ungute Gefühl durchsetzt, die Frage der Massenvernichtungswaffen im Irak könne wohl doch nicht soooo brisant gewesen sein - will sagen, die Antwort war »erstunken und erlogen«, konnte nunmehr der Lordrichter der Schosshund-Regierung in London »nichts nachweisen«, was einer wissentlichen Fehleinschätzung der Waffenlage im Irak nahekommen würde. Genug »konjunktiviert«?

Die unverbrüchlichen Genossen USA und GB hatten sich ja auf die jeweilig anderen Geheimdienste wechselseitig bezogen, jetzt ziehen die das Genick ein und ziehen die Schuld auf sich - dreimal dürfen wir raten, warum...

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26.01.2004

Unsere Politiker sind keine Penner...

... denn sonst käme aus Ihren »Bemühungen« im täglich Politik-machen mehr raus. Das legen zumindest neue wissenschaftliche Untersuchungen nahe. Danach liegt's wohl am zu kurzen Schlaf - aber das wäre zu einfach...

Aber die andern...

..., zum Beispiel Collin Powell, sind wohl auch nicht besser:

»Die offene Frage ist, wie viel sie hatten, falls überhaupt welche, und falls sie welche hatten, wo sind sie hingekommen? Und wenn sie keine hatten, warum war das dann nicht vorher bekannt?«

Collin Powell nach STZ, 26.01.04

Wie war das noch mal mit dem Nichts wissen? Man wird das Gefühl nicht los, dass die sich auf dem Mars besser auskennen, als im Irak...

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24.01.2004

Sonst keine Probleme...

... haben offensichtlich die Machthaber und die Presse in Polen: Sie sind verschnupft über den Freund aus Übersee, dem sie doch noch die letzten gestopften Socken zum Frass vorgeworfen hatten: Die honorieren das »Schulter-an-Schulter« im Irakkrieg und die Boykottierung der EU-Verfassung (was ganz sicher im Sinne der USA ist...) mit einer Verschärfung der Visabestimmungen für Polen.

Naja, so ist das eben - Undank ist der Weltmacht Hohn...

Aber wo wir gerade bei den USA sind...

...da muss man schnell & aktuell zur Kenntnis nehmen, dass nun auch US-offiziell keine Massenvernichtungswaffen im Irak sind oder je waren: Der Chef des US-Suchtrupps im Irak selbst hat dies verkündet. Aber dennoch bleibt ein Atomkrieg weiterhin eine Gefahr - nicht zuletzt dank der USA...

US-Waffeninspektor glaubt nicht an Massenvernichtungswaffen

Schwere Vorwürfe muss sich die US-Regierung jetzt von einem Waffeninspektor aus dem eigenen Land anhören. Der Irak verfügte dem ehemaligen Chef der US-Waffeninspektoren David Kay nicht über Massenvernichtungswaffen. "Ich glaube nicht, dass sie existiert haben", sagte Kay kurz nach seinem Rücktritt gestern der Nachrichtenagentur Reuters.

DER SPIEGEL, 24.01.2004

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18.01.2004

Arm sein ist geil!

Nicht gewusst? Schade. Lässt sich aber ändern: Monitor hatte sich des Themas am 8.1.04 angenommen - Nachhilfe im Schlucken des Sozialabbaus ohne Erstickungsanfälle. Und ein »schönes« Plakat als Denkanstoss gibt es hier [PDF, 956KB].

Ja, Monitor - eines der letzten gegen den Strich bürstenden Magazine im Land des Einheits-Journalismus-Ketchups (warum ist Ketchup eigentlich rot? Eigentlich nicht gerechtfertigt...) sollte man sich ab und an ansehen. Sendetermine gibt's hier.

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16.01.2004

Den USA und GB ins Stammbuch geschrieben...

... sei ein Ausschnitts aus der rororo-Monografie über Marion Dönhoff:

Richard von Weizsäcker schreibt: » [..] Uns bedrückte eine Entwicklung, in der die Entnazifizierung eine Sache der Siegermächte zu bleiben drohte. Wir empfanden es als eine Aufgabe der Deutschen, über Verbrechen zu Gericht zu sitzen, deren Opfer Menschen vieler Nationen geworden waren, darunter nicht minder auch die eigenen Landsleute. Es sollte am Ende doch nicht allein bei dem Stichwort 'reeducation' als Ausdruck amerikanischer Besatzungspolitik gegenüber den Deutschen bleiben!«

H. v. Kuenheim: Marion Dönhoff, Seite 56

Déjà vu? Weiterlesen!

Von der Umwertung aller Werte...

... durch Bush & Co. berichtet der freitag in seiner heutigen Ausgabe. Da die Realität nicht zum Versprochenen (besser: Gelogenen) passt, wird die Realität verbogen.

Aber das passiert natürlich nicht nur in den USA: Auch unsere Politiker verbiegen sich und die Realität bis zur Unkenntlichkeit, zur Lügensosse, von der man sich nur noch durch geistiges Erbrechen befreien kann. »Mehrarbeit schafft Arbeitsplätze«, die sog. »Gesundheitsreform« ist sozial ausgewogen und der Wurf schlechthin usf. Betrachtungen hierzu in der LE MONDE diplomatique.

Eine Klasse höher, in der EU, kämpft man um eine Verfassung, die möglicherweise keine ist.

Ach ja,

... und dann war da noch der ungelöste Kopftuchstreit. Neues hierzu im freitag. In seinem Artikel stellt Mohssen Massarrat unangenehme Fragen und gibt interessante Antworten:

Ein Stück Identität

NOTIZEN ZU EINEM "KULTURKAMPF"
Ist es angebracht, das "Kopftuch" moslemischer Frauen als "Flagge des islamischen Kreuzzuges" zu bezeichnen?

[...] Aber vielleicht braucht die pluralistische Demokratie hierzulande noch mehr Zeit, um eine moslemische Pädagogin mit Kopftuch als normal zu empfinden. Die Behauptung, das Kopftuch sei ein Symbol des islamischen Fundamentalismus, ist genauso ein Unfug wie die Behauptung, Freikörperkultur sei der Höhepunkt geistlicher Freiheit. Wer Hunderte von Millionen moslemischer Frauen weltweit und Hunderttausende von Mosleminnen in Deutschland im Handumdrehen als Fundamentalistinnen stigmatisiert, strotzt nicht nur vor Ahnungslosigkeit, der handelt auch fahrlässig. Besonders gilt dies gegenüber den moslemischen Frauen, die in einer fremden Kultur trotz großer Anpassungslasten keine Mühe scheuen, Anschluss an das öffentliche Leben in ihrer neuen Heimat zu finden. [...]

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15.01.2004

Wer hindert Sie eigentlich daran...

... sich in diesen windigen Tagen ein paar Bücher über windige Typen zu besorgen, sich gemütlich auf's Sofa neben der Heizung zu setzen und Ihren Kopf zu belasten?

Wie wär's z.B. damit?

»Menschen vergessen nicht. Sie vergessen nicht den Tod ihrer Gefährten, sie vergessen Folter und Verstümmelung nicht, sie vergessen Unge-rechtigkeit nicht, sie vergessen Unterdrückung nicht, sie vergessen Terrorismus mächtiger Mächte nicht. Sie vergessen nicht nur nicht. Sie schlagen zurück.«

Harold Pinter, aus der Turiner Rede

Nachvollziehbare Realität oder Sympathie für Terroristen? Hatten wir den Vorwurf nicht schon mal? Die Stuttgarter Zeitung von heute erinnert an Heinrich Böll - da ist Die Ehre der Katharina Blum nicht weit. Könnte man daher mal wieder lesen. Und an die damalige Hysterie und Verunglimpfung denken...

Oder damit?

Frage 4

Warum hast du erlaubt, daß ein Privatjet der Saudis nach dem 11. September die Verwandten von bin Laden einsammelte und sie dann außer Landes flog, bevor das FBI sie verhören konnte?

Mr. Bush, das ist jetzt nicht persönlich gemeint, aber ich saß am Morgen des 11. September in Los Angeles fest. Ich balgte mich mit anderen um einen Mietwagen und fuhr dann 4 800 Kilometer nach Hause - nur weil nach dem Anschlag alle Flüge gestrichen waren.
  Aber die Verwandten von bin Laden durften im Privatjet kreuz und quer über Amerika herumdüsen und dann das Land verlassen. - Kannst du mir das erklären?
  Privatflugzeuge durften (unter Aufsicht der saudischen Regierung und mit deiner Genehmigung) durch den amerikanischen Luftraum fliegen und 24 Mitglieder der Familie bin Laden einsammeln und sie zu einem »geheimen Sammelpunkt in Texas« bringen. Von dort flogen sie nach Washington D.C. und dann weiter nach Boston. Am 18. September wurden sie schließlich nach Paris geflogen, außer Reichweite aller US-Behörden. Sie wurden nie verhört, nur das FBI stellte ihnen ein paar Fragen und kontrollierte vor der Abreise ihre Pässe.50 Ich sprach miteinem FBI-Beamten, und der erzählte mir, beim FBI habe man »getobt«, weil man die bin Ladens nicht im Land festhalten und richtig ermitteln durfte - wie die Polizei eben ermittelt, wenn sie versucht, einen Mörder aufzuspüren. Normalerweise will die Polizei mit den Familienangehörigen des Verdächtigen reden,...

Michael Moore, Volle Deckung, Mr. Bush

Nur so, als Köder, Gehirnnahrung - oder was auch immer...

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06.01.2004

Kopftuch, Kreuz und Kutte...

... Oder »was möglich ist«. Die aktuelle Diskussion ist so absurd wie verlogen und wirklichkeitsfremd. Aber der Reihe nach:

Der erste realitäts- und wahrheitsnahe Versuch von Bundespräsident Rau, das »Problem« in den Griff zu bekommmen

Rau weiter in der Kritik

Thierse und Lehmann widersprechen im Kopftuchstreit

FRANKFURT (AP). Bundespräsident Johannes Rau hat seine Position im Kopftuchstreit gegen anhaltende Kritik verteidigt. Er habe sich nicht für oder gegen das muslimische Kopftuch bei Lehrerinnen ausgesprochen, sagte er.

Unterstützung erhielt er von der Ausländerbeauftragten Marieluise Beck, die erklärte, Rau habe nur eine klare Entscheidung des Verfassungsgerichts wiedergegeben. Der Bundespräsident betonte in der „Welt am Sonntag", die Verfassung fordere eine Gleichbehandlung der Religionen im öffentlichen Raum, somit auch in den Schulen. Bei einem Verbot des Kopftuches als religiöses Zeichen an Schulen könne man „die Mönchskutte nur schwer verteidigen". „Damit wird ja nicht unser christliches Erbe in Frage gestellt." Ob Deutschland weiterhin ein christlich geprägtes Land bleibe, hänge „allein davon ab, wie viel überzeugte und glaubwürdige Christen es in unserem Land gibt", betonte Rau.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) widersprach Rau: Zwar habe der Staat die Pflicht zur Neutralität gegenüber allen Religionen, sagte er dem „Tagesspiegel". Die entscheidende Frage bei der Gleichsetzung von christlichen Symbolen sei aber, ob das Kopftuch tatsächlich nur ein religiöses Symbol sei. Daran zweifle er. „Ein Kreuz ist kein Symbol von Unterdrückung, das Kopftuch für viele muslimische Frauen schon."

Kritik kam auch vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Karl Lehmann. Er hat „erhebliche Zweifel, ob christliche und muslimische Symbole im öffentlichen Raum als .missionarische Textilie' gleichgesetzt werden können". Kreuz oder Ordenskleider gehörten seit bald zwei Jahrtausenden zum abendländischen Kulturkreis und hätten einen „hohen Rang als religiöses Zeugnis". Ihnen sei „nicht die geringste Spur einer politischen Propaganda zu eigen", so Lehmann.

Stuttgarter Zeitung, 5.1.04

zeigt den Weg: Im öffentlichen Bereich hat religiöse Symbole nichts verloren. Die Reaktion aus letzlich konservativen »christlichen Bereichen« spricht nun aber Bände:

Ob Stoiber, Bischof Lehmann oder gar Herr Thierse - wer auch immer: Die Argumentation mit den christlichen Werten, der Wertegemeinschaft, dem Erbe von Tralala: Alles Lüge. Und Herr Thierse irrt, wenn er meint, das Kreuz sei kein Symbol der Unterdrückung: Angegefangen mit den Kreuzzügen, den im Namen Gottes geführten Kriegen bis in die jüngste Vergangenheit, Zwangskonvertierungen, Missions-Overkill, bis zur Bigotterie und zum Sendungswahn des aktuell amtierenden US-Präsidenten: Religion wurde immer und wird nach wie vor missbraucht (wenn nicht gar »Religion« selbst Politik macht oder machte...), auch in westlichen Ländern und sei es nur, um den Kleinen in der Scule oder Kirche (Ehr-) Furcht einzujagen. HU !!!

Selbst wenn wir konstatieren könnten, dass das Kreuz kein Symbol der Unterdrückung sei: Für Muslime und einige andere wohl schon...

Afghanische Verhältnisse?

Da wäre es in der Tat opportun, ehrlich und letztlich konsequent, dem Rau'schen Vorschlag zu folgen, Kopftuch, Kreuz und Kutte aus dem öffentlichen Bereich zu verbannen. Das Problem, was »öffentlicher Bereich« ist, wäre dann als einziges zu lösen. Die afghanischen Verhältnisse, die zum jetztigen Verfassungskompromiss geführt haben - mit dem Islam als Staatsreligion- zeigt akut, wo es hinführt, wenn Religion eine herrschende Rolle in Staats- und Verfassungsfragen spielt; sicher nicht zu »Ruhe und Gesetz«. Und ein »westliches« Staatsgebilde wird das dort sicher auch nicht. Was im Iraq diesbezüglich bevorsteht, wird nicht weniger ernüchternd sein: Amerikanisch durchweichte Politiker schaffen noch kein Vertrauen. Echte, nicht Heil bringende Hilfe wäre da schon besser. Und der Versuch (war's nicht Berlusconi, der kleine Schäker?), »Christliches« gar in der EU-Verfassung festzuschreiben war ein weiterer untauglicher Versuch, Kirche und Staat zu verbinden.

Und vergessen ist wohl das bayrische Intermezzo mit der Klage gegen die Kruzifixe in bayrischen Klassenzimmern, Krankenhäuser und wo auch sonst im öffetlichen Raum. Wenn sie keine beeinflussende Funktion haben sollen: Warum wird ihr Verbleib so vehememt verteidigt? »Bruder Johannes«, unser Bundespräsident hat da schon recht:

Ob Deutschland weiterhin ein christlich geprägtes Land bleibe, hänge „allein davon ab, wie viel überzeugte und glaubwürdige Christen es in unserem Land gibt",...

(ebenda)

Ausgehverbot für Kinder und Jugendliche?

Auf fast der gleichen »Unschuldslinie« liegt der bayrische (sic!) Versuch, Kinder wegzusperren, wo Politik schlicht versagt: Wenn wir Gewalt, Sex und Drogen nicht Herr werden (wollen?), dann schliessen wir unser Kinder eben ein. Sippenhaft sozusagen. Fein.

CSU will Ausgehverbot für Kinder am Abend

HAMBURG/BERLIN (dpa). CSU-Generalsekretär Markus Söder hat ein abendliches Ausgehverbot für Kinder ohne Erwachsenenbegleitung gefordert. So solle Kriminalität, Drogenmissbrauch und Verwahrlosung eingedämmt werden. Söder sagte der „Bild am Sonntag" mit Blick auf das Jugendschutzgesetz: „Das Gesetz muss um einen Paragrafen erweitert werden, der für Kinder unter 14 Jahren nach 20 Uhr eine obligatorische Erwachsenenbegleitung festschreibt." Zudem sollten Eltern, die ihre Kinder verwahrlosen lassen, stärker zur Verantwortung gezogen werden. Früher sei der Ladendiebstahl das klassische Delikt von Jugendlichen gewesen. „Heute greifen schon 14-Jährige immer öfter zur Waffe. Die zunehmende Gewaltbereitschaft von Kindern und Jugendlichen ist erschreckend."

Die Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) wies Söders Vorstoß als „absolut unsinnig" zurück. „Es wäre weltfremd, wenn Kinder in den Abendstunden zum Beispiel nicht mehr alleine die Großeltern oder Freunde in der Nachbarschaft besuchen dürften", erklärte sie. Für den Besuch von Gaststätten und Discotheken gebe es schon heute klare gesetzliche Regelungen. „Sie sind für einen effektiven Schutz ausreichend."

Stuttgarter Zeitung, 5.1.04

So viel zu den Verteidigern christlicher Werte in diesem unserem Abendlande. Amen.

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01.01.2004

Bam

Happy?

Noch benebelt? Dinner for one ist kaum zuende, da erreicht uns folgende Meldung am »frühen« Neujahrstag:

Die Kulturhauptstädte 2004 Genua uns Lille geben für ihre Präsentation und die »events« rund 300-400 Mio EUR aus, ca. 100.000.000 EUR haben die Deutschen wieder in die Luft verballert, getreu den Ermahnungen unseres Über-Ichs Gerhard Schröder, doch endlich den Konsum anzukurbel - China wird sich freuen.

Aber noch fataler nehmen sich die Zahlen von SIPRI aus, was die Militärausgaben angehen: 794.000.000.000,00 US$ waren es in 2002 [telepolis]; wenn Ihnen die vielen Nullen zuviel sind: 794 Milliarden sind das.

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