EU 2004: Polen zurueck home weiter

24.02.2004

Bruno Schulz - ein europäisches Schicksal

Ein Filmbeitrag bei ARTE von Christian Geissler und seinem Sohn Benjamin hat mich auf die Spuren eines europäischen Schicksals geführt, von dem ich nicht weiss, ob es ein österreichisches, polnisches, ukrainisches, deutsches oder jüdisches ist - wahrscheinlich alles zusammen.

Der polnisch-jüdische Maler, Zeichner und Schriftsteller Bruno Schulz, geboren 1892 im KuK-Galizien (heute Ukraine), Zeichenlehrer unter russischer Herrschaft bis 1941, »Sklave« unter dem SS-Schergen Felix Landau während der Hitler-Ära, erschossen von dessen »persönlichem Feind«, dem SS-Scharführer Karl Günther, auf offener Strasse seines Heimatorts, der ostgalizischen Kleinstadt Drohobycz.

Im Februar 2001 entdeckt der Filmemacher Benjamin Geissler in der Ukraine seit Jahrzehnten verloren geglaubte Wandfresken des jüdischen Schriftstellers und Malers Bruno Schulz. Drei Monate später - noch während der Dreharbeiten - entführen Mitarbeiter der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem Teile der Fresken nach Israel.

ARTE

Ein Krimi erster Güte - so weill es einem erscheinen, wenn man unvorbereitet diesem Film der Geisslers ausgeliefert ist. Unglaublich, was da zutage gefördert wurde. Erst die nachträgliche Recherche (Wer ist Bruno Schulz? Wer ist Felix Landau? Was geschah damals? Welche Bedeutung hat das alles?) bringt uns zu Bewusstsein, was da noch immer nicht abgearbeitet, verarbeitet ist. Juden damals, Juden heute im grösser werdenden Europa, deutsche Schuld, die bis heute nachwirkt. Und dann der unglaubliche, kriminelle Kunstraub von Jad Vashem. Die allzu schnelle Reaktion: die Juden wieder...

Was unterscheidet die jüdischen Menschen von damals und heute? Was bedeutet eine wahrlich angebrachte Antihaltung gegen israelische Politik und israelischem Verhalten wie diesem Kunst- und Identitätsraub (seit der Staatsgründung bis heute) gegenüber einem »Antisemitismus«, den wir nicht zulassen dürfen?

Ein weithin unbekannter, offenbar einer der bedeutendsten, ein polnisch-jüdischer Künstler. Fangen wir an zu lesen, z.B. bei dtv, Suchbegriff »Bruno Schulz« ...

Links
  • taz vom 12.11.03 über Schulz und den Freskenraub von Jad Vaschem-Mitarbeitern.
  • WochenZeitung WoZ online, 11.7.2002 :: Kontroverse um entwendete Wandbilder :: Fundstücke aus Drohobycz :: Sie hielten sich damals ihre Leibjuden als Nützlinge, so wie man sich Hunde hält. Nein, schlimmer: Denn den Juden stand die Tötung bevor, das war längst entschieden...

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  • 14.06.2003

    Polen in Europa...

    ... das scheint trotz geglückter Abstimmung nicht so einfach zu sein, wie das Interview "Kapriziöse Gesinnung der Deutschen" mit dem polnischen Ex-Außenminister Wladyslaw Bartoszewski über das Verhältnis seines Landes zu den Europäern, den Kurden und den Türken verrät...

    ... und Polen im Irak

    Was immer sie dort gesucht haben: Polen, als »Bestandteil des Neuen Europas« war mit von der Partie im Irak - zwar nur mit wenigen Hundert Mann, aber doch so vers verbündet, dass die Bushies dem Land die »Verwaltung« eines Teils des besetzen Iraqs überlassen wollen.

    Andrzej Stasiuk beschreibt in einem Artikel in der FR seine Gedanken zu diesem Husarenstück, das aber immerhin, das sollte man nicht unterschätzen, den US-Spaltpilz nach Europas gebracht hat, auch wenn momentan alles schön unter der Decke gehalten wird...

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    30.12.2002

    Unser Nachbar Polen - ein Annäherung

    Eine vierteilige Dokumentation im Ersten ab 30.12.02, 15:15 Uhr.

    Darauf basiert ein breites Angebot, das unter Deutsche und Polen erreichbar ist.

    Und das führt wieder zu der Frage »Kennen wir unsere Nachbarn?«

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