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Ein (anständiges) Angebot...

Restbestände

Ich habe von einer guten Freundin, der Künstlerin Eleonore Stängle-Worel, die Restbestände ihrer Bücher übernommen. Der Lagerort muss geräumt werden. Der Buchhandel hat kein Interesse an den geringen Beständen. Sie selbst kann sich aus gesundheitlichen Gründen nicht darum kümmert. So versuche ich es, hier und jetzt:

Die Bücher werden gegen einen Unkostenbeitrag abgegeben, dessen Höhe Sie selbst bestimmen. Die Versandkosten sollten es aber zumindest sein :-)

Vorgensweise:

Zur Orientierung: Die Bücher kosteten 10,00 (»Steine...«) bzw. 14,80 EUR im regulären Verkauf. Für die Versandkosten für eine Büchersendung bis 500g fallen (inkl. Verpackung!) 2,50 EUR an.

  1. Sie schreiben mit per E-Mail, was Sie möchten und überweisen Versandkosten plus Obolus
  2. Ich sende Ihnen, sauber verpackt, die gewünschten Bücher.
  3. Sie haben etwas wirklich schönes zum Lesen, haben etwas Gutes getan und ich muss die Bücher nicht zur Müllkippe bringen
  4. Ja: trauen müssen Sie mir, sonst klappt das alles nicht und ich muss zur Müllkippe. Also: trau - schau - wem!
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Dann fragen Sie, oder besser: Bestellen Sie einfach. Da kann nichts schief gehen, nichts - wenn Sie lesen können :-)

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Literatur erleben

Lesen

Lesen und erleben - viele haben es verlernt, in ein Buch zu versinken und zu erleben, was der Autor uns zu bieten hat. Wenn Sie es (noch) können oder (wieder) lernen möchten - fangen Sie an.

Hier meine Bücherliste - gewissermassen als unverbindliche »Starthilfe« :-)

Erleben

Wer immer nur selbst liest, braucht irgendwann eine Wand, gegen die er rennen kann - oder besser gesagt: Gleichgesinnte, Informationen darüber, »was so läuft« etc. Hier finden Sie immer mal wieder Hinweise, wo es was über Literatur, Autoren, Verlage zu schmökern gibt, wo man Rezensionen findet. Wie gesagt - Hinweise, nichts Vollständiges. Aber ich bin mir sicher: Wenn Sie anfangen zu klicken, dann ist der Tag gelaufen und Sie haben was davon gehabt...

Wenn Sie sitzenbleiben wollen, gehen Sie am besten ins Literaturcafé, zur Literaturkritik oder in die »Lyrik-Welt« ...

Oder Interessiert Sie ein Einstieg in die Thematik Literatur und Medien?  

Einwurf:
Dass Sie bei manchen Klicks bei amazon.de o.ä. landen - nehmen Sie es nicht allzu schwer, aber gehen Sie lieber in die nächste Buchhandlung. Das schafft Bewegung, Sie sehen Leute, die auch nach was zum lesen suchen und wenn die dort Ihr Wunschbuch nicht haben, dann bestellen sie es --- und Sie dürfen noch mal hin. Ist das nicht fein?
Und wenn Sie es dann haben, dann setzen Sie sich erst mal in ein gemütliches Café und --- na ja, Sie wissen schon. Und wenn wir schon bei der Lust des Lesens sind, hier ein Tip. Aber vielleicht reicht Ihnen der nicht? Dann folgt hier eijn Motivationsschub.

Etwas bewegen müssen Sie sich in es der Literaturhäuser oder ins Schriftstellerhaus in Stuttgart. Wie wäre es mit dem Schiller-Nationalmuseum in Marbach/Neckar? Oder mit der über allem thronenden Deutschen Bibliothek? Oder ganz einfach in die nächste Städtische Bücherei?

Man muss ja nicht alles kaufen. Aber was man haben will, muss man auch nach Hause tragen (oder so ähnlich). Und wenn Sie das wollen, dann ab in die nächste Buchhandlung. Und im Herbst auf die Frankfurter Buchmasse. Entschuldigung: -messe. Aber das ist ja noch lang hin...

(04.02.02)

Stupid White Men

Ja: Wo soll man diesen Beitrag nun wieder unterbringen? Und wer ist Michael Moore?

Literatur? Da gehört das Buch »Stupid White Men« von Michael Moore zweifelsfrei hin. Moore startet den Versuch einer Abrechnung mit der politischen Riege um Bush - Wahlbetrug, wirschaftliches Desaster, Weltherrschaft sind Ziel seiner überlegungen. Neben der brillianten Satire, mit der er uns mit nimmt, ist die Umfänglichkeit und Eindringlichkeit der Themen beeindruckend. Wichtig auch: Wenn man dieses Buch heute liest, darf man nicht vergessen, dass es von den Ereignissen des 11. September 2001 nicht eingefärbt ist - es war vorher fertig. Moore konnte bei der Formulierung seiner Einschätzungen nicht ahnen, wie flink sich seine Landsleute hinter »ihrem Präsidenten« verschanzen würden.

Michael Moore, Stupid Wite Men, Piper 2002, ISBN 3-492-04517-0.
[Leseprobe (Einleitung)]

Film? Da gehört Michael Moore mit »Bowling For Columbine« zweifelsfrei auch hin. Der Film läuft in diesen Tagen im Kino an.

Einschub:

Peter Kreglinger, zweifelsfrei ein bissiger und oft zu subjektiver (geht das?) Filmverreisser hat diesen Film empfohlen - was nun lt. einer Meldung der Stuttgarter Zeitung vom 3.12.2002 (S. 31) u.a. dazu herhalten muss, ihn »aus dem Programm zu werfen«. Er ist nicht schmusig genug - oder »adressatenadäquat«, wie es heisst.

Bildung im SDR3, dem Sender »für unser Jugend«...?

Wir sind damit wieder mitten drin in der Diskussion über Gewalt, die nach Erfurt ebenso schnell wieder verebbt ist wie alles andere was uns so jeden Tag auf den Tisch kommt. Es ist wahr: Gegen den kommenden Irak-Krieg sind Erfurt, Littleton etc. wirklich Kinkerlitzchen. Zynismus und beissende Satire sind denn auch die Mittel, zu denen Moore greift. Wozu sollte man sonst noch greifen können?

Politik? Da auch. Denn seine Themen und sein Engagement sind auf das politische Bewusstsein gerichtet, nicht nur seiner Landsleute, den er natürlich in erster Linie den Spiegel vorhält. Aber die unsägliche Diskussion über Anti (-semitismus, -amerikanismus...) sollte uns dazu bewegen, darüber nachzudenken, wozu wir eigentlich noch eine eigene Meinung haben dürfen - und müssen! Und deutlicher als mit der treffenden Bezeichnung der NATO anlässlich des Gipfels in Prag als »Fremdenlegion des Pentagon« kann man unseren Zustand in Europa und der Welt eigentlich nicht mehr ausdrücken.

Wobei das Thema nicht neu ist. Der Journalist hat einen Vorgänger im Geiste. Und ausserdem hat er recht:

»...
Sind Tendenzen sichtbar, wonach die USA kraft ihrer militärischen Dominanz die Nato vermehrt auf die Rolle einer «amerikanischen Fremdenlegion» zu verpflichten suchen?

Anderegg: In diesem Sinne äusserte sich kürzlich der US-Sicherheitsexperte Zbigniew Brzezinski, als er Europa als Protektorat der USA titulierte und die Europäer zu Vasallen der USA erklärte, was in Europa Unwillen, ja Furcht auslöste. Die USA orientieren ihre strategische Einschätzung immer an aktuellen Spannungsherden...«

Satire? Moore ja, aber Brzezinki...? Und so könnten wir weiter machen. Es hängt eben alles miteinder zusammen.

Also was nun? Ein paar Links, heute ge-google-t (wie schreibt man das eigentlich?) zeigen schnell, dass Michael Moore nicht so leicht einzuordnen ist, wie man das der guten Ordnung halber vielleicht gerne hätte.

Aber klar wird: Man sollte sich mit ihm beschäftigen...

Ach ja: Und das noch zur Fremdenlegion und zur »Freien Presse«:

Moderator:
Sie sprechen von Demagogie, Herr Pflüger. Nun hat die "New York Times" diese schnelle Eingreiftruppe eine "Fremdenlegion des Pentagon" genannt. Ist das auch Demagogie?

Pflüger:
Also das ist auch Demagogie. Das ist auch, glaube ich, nicht die Meinung der "New York Times", sondern das hat irgendein Redakteur geschrieben. Das ist sein gutes Recht, seine Meinung zu haben. Das kann man, glaube ich, wirklich nicht sagen. Ganz im Gegenteil. Eine ...

Interview mit Pflüger/CDU im WDR, 21.11.2002

Und wem es immer noch nicht reicht, der kann sich ja mit der Fremdenlegion in concretam befassen. Auf dass es uns angst und bange werde. Aber zuweilen wird's dann Gott-sei-dank doch wieder satirisch...

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Moore und kein Ende

22.11.2003

Mittlerweile, nach mehr als einem Jahr, hat es die deutsche Presse - zumindest DER SPIEGEL, geschnallt, dass es ihn immer noch gibt; zwar noch nicht inhaltlich kapiert, aber immerhin; abgesehen davon, dass Herr Broder sich wieder übergibt...

Es ist doch interessant, dass DER SPIEGEL in mehreren Artikeln hintereinander über Moore schreiben lässt, keiner der Autoren aber erkennen will, wo der Witz seiner Bücher liegt. Nicht weniger aufschlussreich sind manche Diskussionsbeiträge hierzu; SPIEGEL-Leser scheinen, soweit sie sich äussern jedenfalls, die Ansicht zu untermauern, dem typischen BILD-Leser gespenstisch nahezurücken...

telepolis dagegen hat, wie so häufig, eine aufgeklärtere Ansicht.



Antisemitismus, Walser, die deutsche Seele...

... ohne Mümmelmann.

Man muss nicht Hase sein in Deutschland, um sich dafür entschuldigen zu können, dass man von nichts was weiss. In Wichtigem unkundig zu sein, das ist eher chic - Hauptsache, man redet darüber. Und es muss auch kein Möllemann vom Himmel fallen, um uns zum x-ten mal wieder daran zu erinnern, dass wir eine moralische, politische und was weiss ich noch für eine Verantwortung auf der Welt zu tragen haben dafür, dass unsere Altvorderen genau so unpolitisch, denkfaul und unfähig waren, wie wir es auch (wieder?) sind.

Keiner muss uns das sagen, wir wollen es nicht wissen. Spass gibt's auch ohne Verantwortung.

Was wir mittlerweile in Folge erleben, ist nichts typisch Deutsches, insofern muss man nicht nur auf uns zeigen, wenn es auch bei uns am besten klappt mit dem schlechten Gewissen. Aber dass die Menschen -nahezu weltweit- Schritt für Schritt nach rechts rücken (soll ich sie jetzt alle aufzählen? Nein?), dass Fremdenhass und -feindlichkeit (die NPD marschiert noch immer, Urteil zu Lichtenhagen -au backe: schon wieder deutsch-, brennende Synagogen in Frankreich, Le Pen...) uns täglich begegnen - es muss uns alle aufschrecken. Aber nichts passiert:

   

Chirac gewinnt haushoch bei lächerlichen 60% Wahlbeteiligung. Gefeiert wird aber die angebliche Abfuhr an die Ultrarechte - wer formuliert nur einen solchen Blödsinn? ::: Kohl wird rehabilitiert, keiner schreit auf, kein Spendensumpf ist tief genug ::: Die Kölner SPD bekommt nichts gebacken ::: Nitrofen, BSE/MKS/Hormone -

- ok., ich hör ja schon auf und ich weiss, es ist Fussball und Wahlkammpf und heiss.

Was aber passiert: Sich für gebildet haltende und zuständig fühlende Menschen diskutieren öffentlich über einen Roman und seinen Autor, den noch keiner lesen konnte (nicht alle, ich lese ihn gerade - danke ans Internet und an Pressemenschen, die noch nicht eingebacken sind in den Eiapopei-Kuchen der bundesdeutschen Presse...) und über die Frage, ob der Autor ein Antisemit ist, weil er einen jüdischen Kritiker in den Mittelpunkt seines Handlungsablaufs stellt. Ohne ihn als Juden "zu benutzen", wie ich finde.

Man weiss nun zumindest seit seiner Dankesrede am 18.10.1998 in Frankfurt (ja! das war die Rede mit der "Moralkeule"), wie Walser zur deutschen Verantwortung steht. What shall's...

Wie viele Jahre reichen denn, wieder "ein ganz normales Volk" zu werden? 100? 200? 300? Ist die amerikanische Nation schon wieder normal nach der Ausrottung der Indianer? Nach dem Vietnamkrieg? Nach der Exekutierung Allendes am 11. September 1973 (sic!)? Na also, 30 Jahre reichen doch - es sei denn man ist deutsch... Keine falschen Schlüsse: es geht nicht ums Erbsenzählen oder Aufrechnen, nur um das Zweierlei-Mass der Strippenzieher - und der Marionetten.

Nicht vergessen sollten wir auch den Aspekt:
   

Wie sie sich die Bälle zuwerfen
MW schreibt,
SV verschickt,
FAZ lehnt ab,
RR räkelt sich vor Abscheu,
Presse wirft sich über den Frass,
SV zieht Buchverkauf vor,
"öffentlichkeit" diskutiert im Vacuum,
SV giesst Manuskript ins Internet,
SV m/sahnt ab
- alle sind zufrieden.

Alle ?

Denn die Frage ist immer noch nicht beantwortet: Wann ist einer Antisemit?

Aber ein gutes hat's nun doch gehabt: Die Deutschen lesen wieder...

Ach ja, fast vergessen, so schwitzelig ist mir:
    »Wenn der Welt, in der man lebt, nicht ernsthaft
etwas fehlt, würde man nicht lesen.
Und wenn uns nichts fehlte, würden wir
auch nicht schreiben. Man liest aus
den Gründen, aus denen man schreibt.«
Martin Walser
äba drom...

 

Zum Inhalt:

Frage: Wäre die überaus treffende Portraitierung von André Ehrl-König anders ausgefallen, wenn er nich Jude wäre? Warum? Inwiefern?



    "Wenn ich eine gewisse Macht habe,
bin ich absolut bereit,
sie einzusetzen."

Frank Schirrmacher, 1991
aus: Herlinde Koelbl,
Spuren der Macht



Litauen
 

Litauen auf der Frankfurter Buchmesse

logo litauen Vom 9. - 14. Oktober 2002 ist Litauen Gast auf der Frankfurter Buchmesse. Grund genug, sich mit Litauen kulturell und touristisch zu befassen - in Litauen liegt immerhin der geografische Mittelpunkt Europas!

"Das französische Nationale Geographische Institut stellte 1989 fest und beurkundete, daß der exakte Mittelpunkt Europas in Litauen, 27 Kilometer nördlich der Hauptstadt Vilnius (Wilna), liegt."
(Zitat aus...)

Aber erst heute bin ich im Zentrum Europas angelangt, heute erst weiss ich: Der Mittelpunkt Europas ist nicht die Schweiz, aber auch nicht Brüssel sondern Purnuskes, gleich neben Vilnius. Wieso wusste ich dies nicht früher? (Zitat aus...)

Hier finden Sie Rezensionen von mehreren Bücher litauischer Autoren, die als deutsche übersetzungen vorliegen.

Sehr lesenswert.



Edition WUZ
 

WUZ Nummer 18 und ein Sonderheft...

... sind da, dh. kommen am 29.4.2004 offiziell zur Welt, begleitet von allerhand erbaulichem...

(19.4.2004)  

WUZ die Siebzehnte

Richtig, nach 16 kommt 17. Aber unpünktlich, gar nicht schwäbisch: Sie kommt einen Tag zu spät daher. Als Geschenk zur 240. Wiederkehr des Geburtstags von Jean Paul war sie gedacht, nicht geschlachtet, sondern ein Frischling - frisch auf den Tisch des gleichnamigen Museums.

Was soll man sagen zu einer ungeboreren WUZ? Dass was aus ihr werden wird? Zunächst einmal: Gehen Sie hin zur Geburt. Dann werden Sie's schon - vor allem hören. Reinhard Döhl, Verfasser der langengezogenen Wörterwürmer in streck verse & lang gesichter wird sie daselbst selbst vorstellen. Die neue WUZ.

Also ab nach Joditz - oder Jodwitz oder Jodwuz!

Bilder :: (10.03.2003)  

Nun ist die WUZ raus...

... d.h. sie läuft seit heute (30. September 2002) frei im Internet herum. Unter www.edition-wuz.de finden Sie die gesamte Kollektion von 17 bisher erschienen Bändchen.

Schauen Sie vorbei, die WUZ ist angerichtet...  

Lassen Sie die WUZ raus!

Nein, kein Schreibfehler - kein Fall für PISA - oder vielleicht doch. Aufmerksam wurde ich auf die Edition Wuz durch einen Artikel in der Stuttgarter Zeitung, und da ging es bei Rainer Wochele schon so irgendwie um Pisa, die Lehrer und dass es noch Hoffnung gibt...

Derzeit noch ohne eigene Internetpräsenz (soll aber kommen) ein Kleinod auf dem Bücher- und Kunstmarkt, allerdings im Verborgenen: Mittlerweile 15 Bändchen, mit Kopf und Hand liebevoll einzeln gefertigt. Voller hirnspritziger (und spitziger!) Prosa, Limericks & Lyrik neben lebendiger Grafik. Die Edition besorgt Armin Elhardt seit Jahren neben seinem Beruf als Lehrer. Er beweist, dass man mit Kopf und Computer mehr machen kann, als - ich verkneif's mir. Die Grafiken stammen von Peter Schmidt, einem Künstler aus Asperg mit eigener Website, auf der Sie sich umsehen können.

Wenn Sie also etwas suchen, was sich vom x-ten sterilen Taschenbuch-Reprint abhebt: mailen Sie der WUZELEI (AElhardt@aol.com) Ihr Interesse und verlangen Sie die Bestellunterlagen. Sie erfahren dann auch, was die Wuz mit Jean Paul zu tun hat. Oder schauen Sie immer mal wieder hier vorbei. Wenn die Website gefüllt ist, kommen Sie von hier nach dort.

Und hier eine kleine Leseprobe über Literatur, Gesundheit und wie das Leben so spielt...  

Wuz, die Sechzehnte

edition Wutz Nr. 16Mittlerweile, d.h. seit dem 7. Mai 2002 gibt es die Nummer 16 der Edition Wuz. Vorgestellt wurde das Bändchen im Mörike-Kabinett des Wilhelmpalais' (Stadbücherei Stuttgart) von Armin Elhardt, unterstützt durch ein informelles wie schwäbisch-spitzbübisches Referat von Otto Kirchner zum Thema - aber vielleicht doch der Reihe nach.

Alles überragender Gegenstand der Wuz'schen Nr. 16 in Wort und Bild ist WAHLS NASE. Das muss wirklich ein "Mordszenga" gewesen sein, die Nase, die Friedrich Haug zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Hyperbeln besungen hat, witzig, skuril und teilweise soooo masslos übertrieben, dass man fürchtet, der Herr Haug hätte überdehnt. Hat er aber nicht.

Denn wenn man als zweite massgebliche Komponente die zugehörigen Scherenschnitte von Ursula Kirchner betrachtet, wird einem sowohl das übermass als auch der Spass an diesem erst so richtig bewusst. Ursula Kirchner hat Haug beim Wort genommen und einige seiner Hyperbeln in Scherenschnitte umgesetzt. Teilweise hat sie zu Scherenschnitten neue Hyperbeln in Haug'scher Diktion hinzu gefügt.

Verbunden wird beides durch ein "Nach- und Vorwort" (siehe Referat w.o.), das uns sowohl Hinweise zur "Nase an sich" als auch zur Herstellung derselben als Scherenschnitt gibt. Zur Nase als hervorste(c)hendes Körpermerkmal haben sich schon die Griechen ausgelassen, die bekanntlich ja eine markante solche hatten, auch Lavater hatte zu ihr eine dezidierte Meinung.

Selbst Zwerg Nase von Wilhelm Hauff tritt hier auf... Man sieht mal wieder: Es hängt alles miteinander zusammen.

Aber noch ein paar Worte zu Scherenschnitten. Es gibt sicher Menschen, die bekommen bei diesem Wort spitze Finger und einen ebenso spitzen Mund. Aber gerade die sollten jetzt dabei bleiben, weiterlesen.

Es ist faszinierend, selbst wenn einem alte Scherenschnitte nicht gefallen, was Ursula Kirchner hier aus Papier gezaubert hat, nicht nur aus schwarzem sondern auch und gerade aus alltäglichem, Zeitungen, Bilder, Prospekten. Unter Einbeziehung der dort schon festliegenden Bild- und Grafikstrukturen entstehen neue, fantasievolle Gebilde - eine eigene Ausstellung wäre da das gegebene...

Ich denke, noch gibt es signierte und mit je einem Original-Scherenschnitt versehene Exemplare der "Null-Serie" von 150 Stück...

Seien Sie sicher: Es gilt nicht die Lichtenberg'sche Ansicht "Oden, wenn man sie liest, so gehen einem mit Respekt zu sagen Nasenlöcher und Zehen auseinander."[E 98]

(8.5.2002)

Siehe auch Stuttgarter Nachrichten vom 22.5.2002


Reinhard Döhl

Reinhard Döhl +

angesprochen, daß er nichts tun könne
ohne spuren zu hinterlassen, antwortete er
ich vertraue auf schnee regen und wind

R. Döhl (16.09.1934-29.05.2004)

Nicht jeder, der hier liest wird nicken und sagen: Ach... Denn wie dichtete er selbst? Reinhard Döhl starb am 29.5.2004 in Stuttgart. Entgegen seiner pessimistischen Einschätzung, dass »schnee regen und wind« schon das Ihre zur Tilgung seiner Spuren beitragen würden, werden nicht nur Spuren bleiben.

Grosse Namen tauchen um ihn auf: Max Bense, Helmut Heißenbüttel, Max Horkheimer, Ernst Jandl... Die Stuttgarter Literatur- und Philosophenszene war und ist so leer ja nicht - auch nach Schiller & Co... Aber für mäulesmühle-geeichte Rezeptoren war Reinhard Döhl wohl doch zu harte Kost. So hatte er es schon schwer, von den Schwaben geliebt und anerkannt zu werden, der Westfale. Auch das Programm der Hofer Literaturtage liest sich nicht gerade wie das Who-is-who der Anonymen...

Meine erste und letzte Begegnung mit Reinhard Döhl hatte ich 2003 in Joditz anlässlich der Vorstellung der WUZ Nr. 17, die dort anlässlich des 240. Geburtstages von Jean Paul vorgestellt wurde. Und zwar im dortigen Jean-Paul-Museum, das da gerade sein fünfjähriges Bestehen feierte. Bilder dieser Veranstaltung gibt's in der Fotogalerie. Es waren intensive, schöne und interessante Stunden, für die ich dankbar bin. Gerne hätten es mehr sein dürfen...

Lesefutter?

Wer nun zur Buchhandlung eilen will, um sich was zu besorgen, der sei gewarnt und vertröstet: Er/Sie/Es geht umsonst (was Döhl betrifft; ansonsten: immer hin!). Es gibt sehr wenig, einiges antiquarisch (mal bei Amazon vorbeischauen). Ist die Kost auch schwerer als so vieles, man kann sich amüsieren, anfangen nachzudenken, zu suchen, zu blättern; so auch

Im Internet!

Hier hat Reinhard Döhl nach seiner Emeritierung 1998 ein ganz anderes »Material« als Papier gefunden und heftigst damit experimentiert. Fernab jeder multimedia-bunten Flash-Welt findet sich Dada-mässiges bis hin zum Konventinellen auf seinen Internetseiten [privat] und [Uni Stuttgart].

Eine neue Seite, die wohl alles derzeit Verfügbare versammelt findet sich in der Netzliteratur.

Was gibt's also?

Angefangen mit seinen Streckversen, teilweise auch zu finden in der WUZ Nr. 17, derzeit wohl nur das »Lesebuch«: Reinhard Döhl: Lesebuch. Mit einem Nachwort von Bettina Sorge. Neue Westfälische Literatur Bd. 10. Münster, Ardey-Verlag, Oktober 2002. ISBN 3-87023-132-7.

Ja und dann eben das Internet - fette Beute.

Und natürlich den Wurm!

Anmerkung: In der Stuttgarter Zeitung vom 2.6.2004 findet sich ein (on-line bereits heute kostenpflichtiger!) Nachruf. Interessenten bitte kurz melden.

PS. (7.7.2004):
Denkseite nennt sich eine Webseite zum Gedenken und sicher auch Weiterdenken an und über Reinhard Döhl.

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Islam

Annäherung an den Islam

...wieder einmal ganz anders: Scharife, das neue Buch von Winfried Scharlau.

Die Geschichte eines Mädchens, das sich als junge Frau ganz anders verhält, als wir es als "gestandene Europäer" erwarten würden. Eine wunderschöne Geschichte, genussvoll zu lesen, aber auch ein Lehrstück dafür, dass wir lernen müssen, umzudenken.

Anti-Bestseller-Liste...

Nase voll von Bunt-Bunt&Co.de? pix4nix


Dann sehen Sie sich doch mal das aktuelle Merkheft an. Noch nie davon gehört? Dann gibt's nur eins: Zeit nehmen und reinschauen!

Denn immer wieder finden Sie dort Bücher, Fotobände, CDs, die Ihnen die Werbung oder der Spiegel noch nicht bis zur Bewustlosigkeit um die Ohren geschlagen hat.


Links

Rezensionen, Links u.ä.:

Hier finden Sie Verweise (oder Links, ganz wie's Ihnen Rechts ist...) zu Seiten, die sich mit Literatur, Kunst, Medien - naja: Kultur eben, beschäftigen. Nicht immer auch brandheiss sondern eher was für länger...

An den Krit müssen Sie vielleicht gewöhnen, aber ohne Fleiss nur/kein ... Versprechen kann ich Ihnen aber in jedem Fall, dass er Ihnen weiterhilft, weg vom main stream. Paddeln Sie also in ungewohntem Gewässer - Ihr geistiger Schanden wird's nicht sein.

CERYX, der Herold bringt Ihnen Rezensionen, kurze Beiträge, angenehm ruhig und ohne die sonst nahezu unvermeidlichen Knöpfe zu Amazon.de (Ja! Klicken Sie ruhig drauf! Es wird nix passieren!).

Bücher im Netz: Rezensionen, Neuigkeiten, Dinge, die man sonst nicht so leicht findet.

Das Literaturcafé mit Rezensionen, eigenen Beträgen, Lyrik und Prosa von völlig unbekannten Menschen...

Literatur für Nix:

Sie können nicht alles kaufen...

...was Sie lesen sollen. Also, versuchen Sie hier den Einstieg ins kostenlose Lesen.

Es gibt Bibliotheken oder Copyright-freie Literatur im ...

... Projekt Gutenberg. Das Projekt hat am 28.3.02 beim SPIEGEL Unterschlupf gefunden.

Es gibt auch einen alternativen Einstieg, gefunden in den Chats von c't ...

Literatur auf CD:

Kommerziell, aber gut (!): Die Digitale Bibliothek der DIRECTMEDIA Publishing GmbH, Berlin. Da macht sogar das Schmökern am Bildschirm Spass, das schnelle Wiederfinden einer Textstelle...

Oder wissen Sie vielleicht auf Anhieb, wie oft der alte Briest "das ist ein weites Feld" sagt? Ich weiss es mittlerweile...

Deutsche Rechtschreibung:

PISA-beunruhigt? Im Kampf mit IHR? Mal schüchtern schaun? Suchen Sie nach Hilfe oder bleiben Sie dabei, wie sie's gelernt haben?

Hier finden Sie also die amtlichen Regeln der neuen Rechtschreibung.

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