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WTC Deutschland Kultur

19.04.2004

Zukunft Europa - Zukunft Europas?

Ein interessanter Vorschlag, den Klaus Leciejeswki da im Deutschlandradio macht: Vor Amerikas Haustüre für Ordnung sorgen. Sehr lesens- und danach überdenkenswert, nur so - als Beispiel...

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11.04.2004

Ungarische Kunst

Kenn Sie nicht? Können Sie aber kennen lernen. Ohne Ungarisch. Eine sehr gut gestaltete Website führt Sie von der Romantik bis zur Gegenwart. Mal vorbei schauen, Zeit bereithalten...

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15.01.2004

»Substanz der polnischen Argumente abenteuerlich« ...

... nennt EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen den Standpunkt der polnischen Macher nach dem Scheitern der EU-Verfassung, vor allem verursacht von Spanien und Polen. Ein Artikel in DER SPIEGEL beleuchtet den Zustand nach dem Crash. [*]

In der Tat hat Europa nicht nur dieses Problem - es wäre zu verkraften, wenn nicht letztlich auch amerikanische Interessen dahinter vermutbar wären; das hat mit Anti-Amerikanismus nichts zu tun, obwohl man sich eines partiellen solchen nicht mehr so ohne weiteres entziehen kann - wenn man die nachträgliche Verifizierung der Fragen der geschmähten »Verschwörungstheoretiker« bzgl. der US-Regierung ansieht ...

Dass Polen sich verschluckt hat, das hat das Land wohl mittlerweile realisiert. Das eigentliche Problem bleibt dennoch bestehen: Europa (deutsch/französische Variante) oder Amerika? Erhält Polen finanzielle Unterstützung »vom anderen Ufer« des Atlantik, wenn der EURO-Strom der EU versiegen sollte, um den Denkprozess in Polen zu befördern?

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13.11.2003

Russland & Europa...

... scheinen soooo dicht beieinander doch noch nicht zu liegen. Legt ein Artikel in telepolis nahe...

Es ist ja auch schwierig, zu unterscheiden, wann ein Finanzganster festgesetzt werden darf und wann nicht. Oder welcher. Oder wo. Oder jedenfalls so ähnliche Fragen stellen sich die Plander der schnellen Eingreiftruppe. Wo kämen wir auch hin, wenn wir den freien Kapitalverkehr, die freie und unkontrollierte Kapitalaneignung, -enteignung, -verwertung, -beiseitebringung beeinträchtigen würden...

Da ist es doch beruhigend, dass die USA sich bereit erklärt haben, das Kommando über dieses Trüppchen der NATO zu übernehmen, siehe oben - muss man wissen, sonst geht man am Ende wieder in die Irre (wo wir wohl nach Meinung einiger auch hingehören).

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06.08.2003

Es rauscht nun doch...

... im Blätterwald: Berlusconi wird doch zusehends als das wahrgenommen, was er ist: Gefährlich. Nicht nur für Italien. Das wäre für sich zwar schon ausreichend, auf die Gefahr hinzuweisen. Aber da DER SPIEGEL auf den Artikel hinweist, ist wohl nicht nur die Urlaubsplanung unseres Kanzlers im Blickfeld; darüber hinaus ist es der ECONOMIST, der die Lanze für Europa bricht - und dieses Blatt ist doch in den USA und -ein bisschen- im UK zuhause, oder? Waren aber das nicht gerade die von Berlusconi selbst mit so generösem smiling so hoch gepriesenen Freunde?

Versteh's wer will...

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08.07.2003

Man soll ja nichts unnötig dramatisieren...

... aber halten wir doch für die Nachwelt fest: Da biegt sich ein italienischer Ministerpräsident seit Jahren die Gesetzeslage »zu Recht«, damit sein persönliches, unredliches und unrechtes Machtstreben ungehindert weiter wirken kann; sein bisheriges Verhalten trägt offensichtlich mafiöse Züge; er albert sich nach oben; er brüstet sich mit seinen Verbindungen zu Bush und anderen Wesensverwandten; er beleidigt ein ganze Berufsstände - Richter, Staatsanwälte, Journalisten...- als »linke Brut«; er bewirft einen europäischen Abgeordneten, der nichts anders tat, als die Fakten zu nennen, mit rüdesten Beleidigungen; er ist, trotz des öffentlichen Anspruchs des deutschen Kanzlers, nicht bereit, sich einfach zu entschuldigen, geschweige denn, seine Anwürfe zu widerrufen - im Gegenteil, er bekräftigt sie noch; sein Minister Bossi fordert öffentlich und allen Ernstes die Beschiessung von anlandenden Flüchtlingen; Stefano Stefani, Mann aus der 2. oder 3. Reihe, aber immerhin verantwortlich für Fragen des Tourismus, bezeichnet deutsche Urlauber pauschal als »besoffene, supernationalistische Blonde«; ...

"Sie bevölkern im Sommerurlaub lautstark unsere Strände, besoffen vor arroganter Selbstsicherheit." Es handele sich um "einförmige, supernatio-nalistische Blonde, die lärmend über unsere Strände herfallen". (DER SPIEGEL)

...was noch? Nicht, dass man sich von solchen Schwachköpfen persönlich beleidigt fühlen muss. Da hat der Abgeordnete Schulz sicher recht. Aber was muss noch passieren, damit Europa begreift, das Zufälle seltener passieren, als hier und jetzt, und etwas unternommen werden? Mittlerweile schnaubt die Öffentlichkeit ja nicht mal mehr beim naheliegenden Gedanken, der Duce habe einen würdigen Enkel...

Aber freilich: in einer Welt, in der die britische Regierung durch einen an Doppelzüngligkeit nicht mehr zu überbietenden Beschluss eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses in Sachen politischer Lüge entlastet wird; in der der Premier sich gegenüber der BBC in fast berlusconischer Art versteigt - da bleibt einem einfach der Mund offen stehen und man fragt sich:

Wer ist der Nächste, wer kann's noch besser? Wer bringt letztlich die demokratische Kultur engültigig zum Absturz?

Mehr zu Berlusconi.

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26.06.2003

Berlusconi ante portas

Martin Klingst macht in der ZEIT darauf aufmerksam, dass Italien demnächst die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt und damit ein Herr auf dem Präsidentenstuhl Platz nimmt, der im Geruch steht, das Recht zu beugen; der Geruch hat konkrete Ursachen, die anderen EU-ler schweigen g'schamig und wir haben damit einen Bush-ähnlichen Fall. Passt doch, oder? Aus dem Fehlschuss gegen Österreich hat mal wohl gelernt: Wo Demokratien sich zusehends in oligarchische Wildbahnen verwandeln, wo Demokratien zusehends vor allem durch Nichtwähler bestimmt sind, da braucht's doch Glaubwürdigkeit, Standfestigkeit und was da noch so an bürgerlichen Moralleichen herumlungert, nicht mehr.

Belgien lässt grüssen. Aber den Drohgebärden eines Rumsfeld ist ein so kleines Land eben nicht gewachsen, wenn alle andere drum rum den Mund halten; so wie zu Berlusconi. Es schon fein, zuzusehen, wie sie alle den Bach runter gehen, die autarken, autonomen europäischen Teilstaaten. Apropos »teilen«: die US-Administration hat erst damit angefangen, damit wir uns nur nichts vormachen...

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22.06.2003

Angstmacherei?

Ein Artikel im ZNET weist auf aktivitäten hin, die wir in der »normalen« Presse gar nicht zu lesen bekommen: Jugoslaw-Absurdistan von Andrej Grubacic (ZNet Kommentar 19.06.2003).

Geht es nach Berichten mehrerer einflussreicher strategischer US-Magazine befinden sich die US-Pläne zur Verlegung der gesamten in Deutschland stationierten US-Militärtruppen in ihrer Endphase. Sie sollen in neue Basen auf den Balkan verlegt werden - nach Serbien, Montenegro, Bulgarien u. Rumänien. Ein derartiger Schritt hätte massive politische, ökonomische u. strategische Implikationen. Vor allem würden die politischen Dissonanzen in der Nato formalisiert, was zum einen eine Einschränkung der Reichweite des Bündnisses bedeuten könnte oder - im andern Fall - einen maßgeblichen Richtungswechsel bei den Nato-Aktivitäten. Essentiell reflektiert dieser Schritt ein zunehmendes u. sich verstärkendes Abdriften Westeuropas (das "alte Europa", wie es der amerikanische Außenminister Donald Rumsfeld neulich nannte) von Amerika u. dem von Rumsfeld proklamierten "neuen Europa". Dieses 'neue Europa' besteht überwiegend aus den zentraleuropäischen Mitgliedern des früheren Ostblock, angesiedelt an der westlichen u. südwestlichen Peripherie des ehemaligen Warschauer Pakts. Unter strategischen Gesichtspunkten entstünde hier also ein neuer geopolitischer Block - eine Art "neue Nato", die sich strategisch Richtung Naher/Mittlerer Osten u. Kaukasus ausrichtete bzw. Richtung Mittelmeer u. Maghreb (Nordafrika).

Haben die EU-Chefs in Porto Carras deshalb die Geldbörse für weitere 200 Mio EURO für den Balkan geöffnet? - Was nebenbei bemerkt natürlich gut & sinnvoll war.

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20.06.2003

Und immer wieder Europa...

... so ist das, wenn grosse Schritte getan werden: Verfassung, EU-Gipfel... Und so ist es interessant, dier Stimmen unserer Nachbarn zu vernehmen, z.B. wieder Andrzej Stasiuk ,mit seiner Drohung »Wild, listig, exotisch«, die Serben würden England balkanisieren u.a. - schöne Gedanken :-) [*]

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18.06.2003

Feuer!

Mit Kanonenkugeln oder Internierung in "Regionalen Schutzzonen" außerhalb der EU telepolis, Florian Rötzer 17.06.2003 :: In der Festung Europa will man sich gegenüber Flüchtlingen noch besser einschließen und politisch Punkte beim fremdenfeindlichen und vergreisenden Wahlvolk machen
   Man muss es ja nicht gleich so unmissverständlich fremdenfeindlich wie Umberto Bossi, Chef der rechten Lega Nord, Teil der Regierungskoalition von Berlusconi, sagen. Obgleich die Zahlen für die illegale Einwanderung zurückgehen, ist der Politiker wegen der illegalen Einwanderer ganz "krank". Bossi, der schärfere Einwanderungsgesetze verlangt, sagte dem Corriere della Sera, man müssen nach der zweiten oder dritten Warnung an Schiffe, die illegale Einwanderer nach Italien bringen wollen, auf diese feuern: "Anders können wir dieses Problem nie lösen."

Wenn das alles wäre: Gleichzeitig zieht Berlusconi eine Justiz-Schau ab, die sich gewaschen hat; viel zu tun in Europa...

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16.06.2003

Kerneuropa

Zur Diskussion um die intelektuelle Initiativen von Adolf Muschg in der NZZ, Umberto Eco in La Repubblica, Gianni Vattimo in La Stampa, Fernando Savater in El País, Richard Rorty in der Süddeutschen Zeitung sowie Jacques Derrida und Jürgen Habermas in der Libération und der FAZ:

Gedanken zur europäischen Identität :: NZZ, Adolf Muschg.

Die Europa-Initiative von Habermas und Derrida :: taz, 16.06.03 :: Erfahrung von Verlusten :: Was hätte der Text von Habermas und Derrida nicht alles sein können?! Zum Beispiel die allseits ersehnte Belebung der lahmen Verfassungsdebatte in Europa...

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14.06.2003

Kennen wir unsere Nachbarn?

Wie allgemein bekannt ist, war der Irak seit Jahrhunderten der größte Feind Polens, hatte es schon immer auf seine Freiheit, auf seine unermeßlichen Reichtümer und seine in der ganzen Welt bekannten strohblonden Frauen abgesehen.

Dieses Zitat von Andrzej Stasiuk ist einem Artikel von ihm in der FAZ vom 8.5.2003 entnommen. [*]

Seine satirischer Beitrag zeigt auch dem letzten »Witzbold«, dass wir uns zukünftig umfassender als mit Polenwitzen mit unserem neuern Nachbarn befassen dürfen.

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24.04.2003

Was erwartet uns da?

Dass Europa ein bunt gewürfelter Haufen und damit weit ab von einer euphonischen Staatengemeinschaft, das haben wir schmerzlich erfahren müssen, als i.S. Irak-Krieg alle auseinanderliefen.

Dass das anders werden muss, das wissen wir auch - es sei denn, Europa will keine Rolle mehr spielen; Herfried Münkler (Herfried Münkler: "Der neue Golfkrieg"; Rowohlt Verlag, Hamburg 2003), Robert Kagan (»Macht und Ohnmacht«), Emmanuel Todd (»Weltmacht USA - Ein Nachruf«) u.a. buchstabieren uns das ja so vor, dass auch der Letzte das verstehen kann.

Aznar & Merkel, Berlusconi, Miller...

Aber:

Was passiert in Europa? Neben den grossen Dingen sind es ja oft die kleineren, die brennstrahlartig Lichter setzen: Da sitzt die CDU-Glucke Merkel als rote »Henne im Korb« neben Aznar [*] und scheint innig-einig mit ihm. Und genau dieser Aznar und seine Regierung denkt über die Möglichkeit nach, wie man Kriegs-Kritiker mundtod bekommt. Da hilft auch auch kein grosses Schau-Zurückrudern - solche Regierungen haben wir im »vereinigen« Europa. Von der letzten Ölpest und dem dazu gehörigen Versagen Aznars wollen wir gar nicht reden.

Und von seinem Bruder im Geiste, Italiens Granseigneur, dem Dottore Silvio Berlusconi auch nicht.

Und von Polens Leszek Miller und dem möglicherweise in die Hosen gehenden Volksentscheid zur Beitrittsfrage auch nicht.

Polen: Volk kontra Regierung

Wie ein Spielball zwischen der EU und den USA

Zwar sind es "nur" 200 Soldaten, die Polen zur Unterstützung der Amerikaner und Briten in den Irak schickt. Aber genau die sorgen im größten der EU-Kandidatenländer für reichlich Zündstoff. Der Grund: Die Mehrheit der Polen ist gegen den Krieg. Außerdem haben die Polen es satt, von der eigenen Regierung als Spielball der Macht zwischen der EU und den USA hin und her geworfen zu werden.

ZDF/t-online, 24.03.03

Noch was zu Herrn Miller? Was von der Konrad-Adenauer-Stiftung, also einer »über jeden Zweifel« erhabenen Institution?

[..] Gleichzeitig hat die Gruppe der Reformer parteiintern wenig Einfluss. Hier wird nämlich die Treppe von oben gekehrt, und das heißt durch Leszek Miller, den Partei- und Fraktionsvorsitzenden. Millers Führungsanspruch ist innerparteilich vollkommen unangefochten; fast alle programmatischen und personellen Fäden laufen bei ihm zusammen. Er wird außerdem gestützt durch einen sogar für eine postkommunistische Partei hohen Grad an innerparteilicher Disziplin. Konflikte werden nur in absoluten Ausnahmefällen an die Öffentlichkeit getragen. Kritik an der Parteispitze ist selten und findet nicht ungestraft statt. Diese Verhaltensmuster setzten sich auf Regional- und Lokalebene durch. Obwohl Kritiker das Prinzip des "demokratischen Zentralismus" bemängeln, hilft die Geschlossenheit der SLD ihr in den Augen der Wähler. [..]

KAS, Politischer Kurzbericht
Was sich unter einer SLD-Regierung ändern könnte, April 2001

Was nun die Position der CDU-Vorsitzenden Merkel dazu betrifft - nein, das ist wieder ein anderes Thema; aber wenn Sie spanisch..., bitte schön!...

Zypern Grenze

Zypern Grenze

Zypern: Es gibt erfreulicheres...

... als Angela. In Zypern hat sich gestern nach fast 29 Jahren wieder die Grenze zwischen Nord- und Süd-Zpern, die »Grüne Linie« geöffnet. Was bisher auf der sonneninsel nur Touristen vom Süden her an einem Punkt in Nikosia für ein paar Stunden erlaubt war, können nun die Zyprioten selbst wieder nutzen: Sie können die Orte ihrer Kindheit wieder besuchen. Erinnern Sie sich noch, vor 12 Jahren? Ich habe damals erstmalig meine Geburtsstadt Wittenberg besucht...

EU-Verfassung: Erste Schritte...

...ist er jetzt gegangen: Valéry Giscard d'Estaing, Präsident des EU-Verfas-sungskonvents, hat seine Hausaufgaben abgeliefert - und Europa ist erst mal entsetzt (»autistisch, nationalistisch, autoritär«); zuerst nachdenken scheint nicht mehr angesagt in diesen aufgewühlten Zeiten.


Fussnoten:
[*] Das war ein Foto mit Merkel im roten Blazer (wie so oft...) zwischen lauter »schwarzen Pinguinen«, eben neben Aznar; kam nur 1x in der Tagesschau. wer hat's, wer kent's ?

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21.03.2003

Der Tag danach, ...

... das wäre überzogen. »THE DAY AFTER«, davor mögen wir alle, weltweit, verschont bleiben. Aber fest steht, einen Tag nach dem Angriff der US-Falken auf den Irak: Europa, das nächstes Jahr entscheidend wachsen soll; das die Frage, was alles denn Europa sein soll, noch nicht einmal zu ende diskutiert, geschweige denn beantwortet hat; das sich der abfälligen Bemerkung vom »alten« und »neuen« Europa erwehren muss: Es hat zunächst wieder politisch total versagt - es steht vor einem Scherbenhaufen.

Doch das ist nur das eine Thema, wie das politisch zu bewältigen geht. Es muss ja irgendwie weitergehebn, auch »neben« dem Krieg...

Hinweisen möchte ich hier auf eine musisch-kulturelle Fragestellung im Zusammenhang mit »Alt & Neu« und wer ist Europa: Wer macht Kultur in Europa? In ihrem Artikel im freitag dieser Woche Aus Russland mit Liebe - UNARTIGE HARMLOSIGKEITEN beschreibt Barbara Schweizerhof etwas, was wir noch nicht wahrgenommen haben und was dem Rumsfeld'schen Rüffel eine völlig neue Wendung gibt. Und die Freund-Achsen-Freunde wir's freuen:

Gehört Russland zu Europa ?

Die Antwort ist verblüffend, lesen Sie! Und auch wenn Sie nicht mehr zu denen gehören, die die jeweils neueste group »echt cool« find: Schauen & hören ist möglich.

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15.02.2003

Kennen wir Europa?

»Kennen Sie Ihre Nachbarn?« hatte ich im Dezember letzten Jahres gefragt. Im guten Glauben, mit Kopenhagen und der Klärung des Vorgehens hinsichtlich der Beitrittsländer ginge es nun voran und es sei and der Zeit, sich auch auf persönlicher Ebene näher zu kommen, damit die »grosse Politik« die realen Gegebenheiten nicht überholt.

Aber so schnell kann's gehen. Oder so brüchig war das Konstrukt. Der Kanzler - nicht nur auf Wahlreise, wir nehmen es ihm ab - legt sich rechtzeitig auf eine Antikriegs-Linie fest, die eigentlich so selbstverständlich war und noch ist, dass es langer Worte eigentlich nicht bedurfte. Ob diese Haltung der gleich nach dem 11.9.2001 von ihm proklamierten »uneingeschränkten Solidarität« im Kampf gegen den internationalen Terrorismus widersprach oder nicht - wer wollte das noch diskutieren? Stets scheint der deutsche Bundeskanzler sich zu früh fest zu legen...

Mittlerweile wissen wir es besser - meinen einige. Die Meinung ist nicht nur in Deutschland gespalten. Die Kriegs-Frage oder die Frage nach der Bündnistreue spaltet Europa, politisch, militärisch und selbst die UN drohen von den USA zur Makulatur degradiert zu werden. Das war voraus zu sehen. Stichworte wie Kyoto, ABM und Internationaler Gerichtshof mögen da als Gedächtnisstütze genügen. Auf allen Gebieten versucht das politsch-wirtschaftliche Establishment der USA, seine hegemoniale Macht zur Neugestaltung der Welt zu nutzen. Und wer in Europa nun ohne Not bzw. ohne Skrupel hinterher läuft, der wird bestenfalls schon mal als »Schosshund« o.ä. betrachtet.

Und nun diese Demonstrationen, nicht nur in Deutschland. nicht nur in Europa - weltweit. Verblüffung allerorten. Der journalistischen Vorschreiber ärgern sich (alles umsonst vorbereitet!), Politiker rudern zurück. Da kommt schon die Frage auf: »Kennen wir uns selbst?« Was trauen wir uns eigentlich noch zu, wenn die Bush-Administration und ihre Helfer »HU!!!« machen? Halten wir es aus, einen Freund, dem noch im Herbst 2001 eben diese »uneingeschränkte Solidarität« (US) geschmeichelt hat, wenn wir den zur Ordnung rufen und er beginnt, zu schmollen UND die Zähne zu zeigen? Mit schwacher Stimme rufen wir zwar, aber immerhin.

Und widersprüchlich sind wir ja schon: Erst bekommt Schröder Dresche, weil der voreilig »US« zusichert; dann bekommt er die Goslar'sche Weigerung um die Ohren geschlagen. Und wenn er jetzt die Balance zwischen diesen extremen Positionen und seinen europäischen Kollegen sucht, dann nennt man ihn einen Umfaller. Also...

Umfallen: Schröders Pflöcke oder Merkels Angela?

Wer fiel oder fällt hier eigentlich um? Einer, der versucht, Pflöcke einzuschlagen und sich dann der bitter nötigen Solidarität unterordnet oder diejenigen, die Amerika hinterher rennen, nur um es sich in deren Windschatten »gemütlich« zu machen...? Es ist wahrlich bitter genug, das die USA im Grund machen können, was sie wollen. Wo wir dabei sind: Wenn sie das taten/tun - welche positiven Beispiele liessen sich denn auf die Schnelle neben der Befreiung von Hitler noch finden dafür, dass die USA immer alles gut & richtig machen?

Sie haben 5 Sekunden Zeit... - oder Sier lesen zunächst einen Artikel von Artur P. Schmidt in Telepolis vom 20.2.03. Dann spielt diese partielle Überlegung vielleicht nicht mehr die dominierende Rolle.

Dieser mentale Zickzack der Europäer kommt nicht von ungefähr. Peter Sloterdijk schrieb schon 1994 (Falls Europa erwacht, 2002, suhrkamp taschenbuch Nr. 3402, S. 15) über »das alte Europa«:

[..]
Europas traumatische Lektion von 1945 lag ohne Zweifel in der Demütigung durch seine Befreier. Seither musste europäische Politik immer auch eine Art Kur für überreitzte Patienten bedeuten, die es nicht gänzlich wahr haben wollten, dass sie Rettung von aussen nötig gehabt hatten. Wer unter Schock lebt, scheint den Faden seines Daseins verloren zu haben und wird bei seinen Versuchen, die Normalität wiederzufinden, den Eindruck machen, er tue nicht, was er möchte, sondern etwas stattdessen.
[..]

Tja: Was »stattdessen« ? Empfehlenswerte Lektüre, auch für die, die meinen, zu den aktuellen Problemen und Verwerfungen seien wir gekommen wie die berühmte Jungfrau zum Kind.

Die Arroganz der Macht rechtfertigt sich durch Macht

Ganz besonders prononciert liefert Robert Kagan in seinem Essay »Macht und Ohnmacht« hierzu seine Meinung ab. Wenn man ihm unvoreingenommen folgt, was zugegebenermassen spannend ist, dann fällt man irgandwann vor Dankbarkeit Amerika gegenüber auf die Knie - Angela lässt grüssen. Aber selbst bei kritischster Würdigung seiner Sichtweise kommt man leider um eines nicht herum: Europa hat gepennt. Der Faktor Macht, um den sich die USA vornehmlich gekümmert haben und verstärkt kümmern, gibt letztlich den Ausschlag, welche Rolle wir spielen (können). Die schlichte Wahrheit neben aller berechtigter moralischer Entrüstung und Aufwallungen um - wie Kagan das ausdrückt - Kant'sche Werte bleibt doch bestehen und entscheidend: Die Macht haben die USA, nämlich das zu tun, was sie für oportun, wirtschaftlich für sich selbst sinnvoll, und zur Erhaltung dieser Macht für nötig halten. Punkt.

Nach allem, wie es so lief die letzten Tage, hat Europa dieses Trauma und damit die Phase der Ersatzhandlungen immer noch nicht überwunden. Ja, was erschreckender ist: Ein Grossteil der Bevölkerung hat den Grund für dieses Trauma noch gar nicht erkannt. Auch Frau Merkel nicht, denn politische Prostitution führt im Bush-Werk vielleicht zu einem milden Lächeln und einer kurzen Unterredung mit unserer Oppositionsfgührerin, aber sicher nicht zur Lösung des tatsächlichen Problems:

Was tun?

Welche nächsten Schritte muss Europa tun -und zwar gemeinsam!- um der bereits manifesten Bedeutungslosigkeit zu entgehen? Welche Allianzen muss es anstreben? Wo Schwerpunkte setzten? Brauchen wir die Achse Paris-Berlin-Moskau-Peking, brauchen wir eine Europäische Eingreiftruppe und eine damit immense Steigerung unserer militärischen Ausgaben, wie Kagan das freundlich und bestimmt empfiehlt? Brauchen wir eine Form des Dialogs mit den USA oder die Rückkehr zur spätpubertären Anlehnung an Uncle Sam? Und was müssen wir im Innern von Europa für einander tun? Was hat es zu bedeuten, dass die englische Regierung mit allen Mitteln und offen-vehement die Kriegspeitsche gegen die Mehrheit der Bevölkerung schwingen; was, dass in Italien das öffentliche Fernsehen es ableht, eine 3-Millionen-Friedens-Demo in Rom nicht im Fernsehen zu zeigen?; was dass Polen sich von der EU bis zum Verdau-Stau mit Subventinoen füttern lässt um dann der Gemeinschaft, noch ehe es dazu gehört, den Rücken zu kehren?; und was, dass ein konservativer französischer Staatspräsident mit einem deutschen sozialdemokratischen Kanzler in die Ecke der Unverantwortlichen Verräter gestellt werden kann?

Können die Gegensätzte noch grösser sein?

Und dabei haben wir die Problem, die gerade und insbesondere die USA mit der Globalisierung, der WTO, dem IWF und, und, und auch uns am Einbrocken sind, noch gar nicht erwähnt!

Faktisch bedeutungslos zu sein muss nicht automatisch heissen, auch lächerlich zu wirken bzw. zu sein. Aber aus dem Dilemma kommt man nur heraus, wenn man etwas tut. Und zwar etwas Neues. Insoweit ist der zum Wahlkampfscherz degradierte Schröder'sche Vorstoss »keine militärische Beteiligung am Irak-Krieg« sehr wohl ein mutiger und richtig Schritt in unsere Zukunft gewesen. Nur eben ein erster Schritt, weitere müssen jetzt folgen, angefangen mit der Diskussion über Inhalt der NATO in Verbindung mit der Europäischen Eingreiftruppe bis hin zur Absicherung und Versicherung eines gewissen Rückhalts nach Osten, sprich Russland, China und azuch Türkei. Denn eines scheint klar: Wenn die USA mehr zahlen & versprechen, wird Russland u.a. dem -geografisch gesehen- »europäischen Riff« weniger oder keine Beachtung schenken. Es ist ja schon pervers und im höchsten Masse alarmierend, wenn die USA uns sagen müssen, wass wir zu tun haben und wer zum alten Eisen gehört und wer zum neuen, das die USA dann auch gleich selbst schmieden.

Zum gleichen Thema äusserte sich Gore Vidal bereits im November 2002 im freitag 49/2002 (»Irgendjemand muss diese schlafende Schönheit Europa wecken«).

Um vielleicht immer mal wieder die Eingangsfrage aufzuwerfen: »Kennen wir unsere Nachbarn?«. Müssen wir sie mittlerweile so beantworten:

»Nein. Und die USA kennen sie besser.« ?

wird fortgesetzt!

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