Perspektive Deutschland ? zurueck home

24.04.2004

One Year After...

... könnte man titeln, denn genau vor einem Jahr schrieb ich über die Umfrage zur Perspektive Deutschland. Nie war sie so wertlos wie heute - und damals; aber schmökern Sie selbst, atmeberaubende Erkenntnisse sind garantiert...

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19.04.2004

»... die Deutschen werden sterben ...«

Das meint zumindest eine der Mütter im Beitrag Rabenmütter - die gibt es bei uns nicht! [RTF] des SWR2. Recht hat sie ja wohl, wenngleich wir präzisieren müssen: »aus«-sterben muss es heissen.

Als ob sie es begriffen hätten.

Es geht um die deutsche Mutterrolle und wie sie von nicht-deutschen jungen Frauen und Müttern gesehen und erlebt wird - als eher kurios bis abartig, mit Grund für Deutschlands rekordverdächtige Reproduktionsrate von ca. 1,2. War auch Thema im letzen Nachtcafé des SWR:

Karriere, Kinder, Konsequenzen

Sendung am 16. April 2004

So wenig Geburten gab´s noch nie in Deutschland. Jede dritte Frau bleibt kinderlos. Dabei würden wesentlich mehr Menschen in Deutschland gerne Kinder haben - wenn sie nicht um ihre Karriere fürchten müssten. Wie lassen sich Nachwuchs und Karriere vereinbaren? Leiden die Kinder unter der Berufstätigkeit der Mütter? Welche bevölkerungspolitischen Konsequenzen hat der stetige Geburtenrückgang?

Da gesellen sich dann gleich unsere restlichen Hauptprobleme wie Rente, Sozialsysteme, Arbeitsplätze und -losigkeit etc. dazu. Und dann bietet sich an, mal wieder ein Buch zu lesen; das kommt zwar etwas kriegerisch daher, zumindest was die Diktion angeht, der Autor wiederholt sich zu häufig - aber lesenswert zum Auffrischen, Zusammenfassen und für einige sicher auch als Einstieg in die Thematik:

Frank Schirrmacher: Das Methusalemkomplott; Blessing 2004

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13.04.2004

So oder so...

... kann man die Sache betrachen. Die »Sache«: Dass am 3. April ca. eine halbe Million Bürger auf den Beinen waren, um den Regierenden und den Unter-nehmenden Beine zu machen und damit auch Ihre (kollektive) Meinung kundzutun.

So oder so oder so.   [*]

Allerdings: Zu irgendeiner eigenen Meinung sollte man sich schon durchringen. Und dazu stehen auch. Dass unser Führungspersonal weitestgehend verlottert bis korrupt ist: das wissen wir. Dass dieses Land Reformen braucht: Das wissen wir auch. Dass hierbei nur das »gemeine Volk« gerupft werden soll und bereits wird: Das spüren wir. Dass »der reiche Rest« ungeschoren davon kommt: Das war noch nie anders.

So - und wenn das alles bekannt ist und schon immer so war: Wird es dann nicht Zeit, dass ein mündiges Volk aufsteht und Gerechtigkeit einfordert? Wir haben begriffen, das Kriege kein gangbarer Weg sind; warum sollten wir am Ende nicht auch begreifen, dass Abgreif-Kapitalismus ebenso inakzeptabel ist?

Wenn wir den Mainstream-Journalisten versuchen geistig zu folgen, dann kommen einem schon Fragen:

  1. Warum gehen Sie nicht in die Politik? Sie wissen eh' schon, wo es lang geht.
  2. Warum ist es denn so schwer, den Kälbern den Schlachter zu empfehlen?

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27.02.2004

Glaube keiner Statistik, ...

... die du nicht selbst gefälscht hast. Gilt das auch für die letzjährige Bevölkerungsstatistik der Bundesrepublik?

Wir könnten uns mehr Rentner leisten

telepolis, Alfred Krüger 26.02.2004
Amtliche Wahrsager und politische Dramatisierer - Die Bevölkerungs-vorausberechnung des Statistischen Bundesamtes gegen den Strich gebürstet

Im Juni letzten Jahres veröffentlichte das Statistische Bundesamt in > Berlin seine 10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung (PDF) . Deutschland vergreist und schrumpft, hieß es damals unisono in den Medien. Die Einwohnerzahlen würden bis zum Jahre 2050 dramatisch sinken, der Anteil der Alten in der Bevölkerung ebenso dramatisch wachsen. Auswirkungen habe dies vor allem auf das Gesundheitssystem und die Alterssicherung. Beides wäre nicht mehr finanzierbar. Völlig falsch, behauptet nun Gerd Bosbach, Professor für Statistik, Mathematik und Empirik an der Fachhochschule Koblenz, und bürstet die statistischen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes konsequent gegen den Strich.

Und er kommt am Ende zu der Frage, die dem denkenden Menschen eigentlich schon vor Jahrzehnten beantwortet wurde: "Soll mit dem ‚Hammer' Demografie von einem ganz anderen Schauplatz gesellschaftlicher Auseinandersetzungen abgelenkt werden? [...] Sollen die Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer langfristig von der Teilhabe am Produktivitätsfortschritt abgekoppelt werden?"

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02.12.2003

Die Wirtschaft bringt's...

... oder nicht? Betrachtungen zur vermeintlichen Omnipotenz der Wirtschaft von Peter Fuchs in der taz:

Der dunkle Gott der Manager

Die politische Rhetorik dieser Tage behandelt die ganze Gesellschaft wie ein Wirtschaftsunternehmen - als ob alle Probleme durch Unternehmensberatung kuriert werden könnten! Systemtheoretische Anmerkungen zur aktuellen Reformdebatte

Die Wirtschaft, die - wie man hört - sich in einer lang anhaltenden Krise befindet, scheint schlicht das dominante Phänomen dieser Gesellschaft zu sein. Sie steht am Abgrund und mit ihr der ganze Rest der Welt, all das, was nur durch die Wirtschaft möglich ist, aber ohne sie zusammenbräche.
...

Und gleich gehts weiter zur Jungle World, denn Der Krach schwillt an. Betrachtungen zur sozialen Realität in der Republik von Joachim Hirsch, emeritierter Prof. aus Frankfurt. Und weil's doch so schön ist, wenn das Hirn wieder anfängt sich drehen: Ein Link nach Links...

Ausserdem noch ein Artikel für Patrioten in dieser führerlosen Zeit: Über Schuften und Schufte... Alles in allem genug Denkstoff, mit dem das Hirn ohne BILDer auskommt.

Wie wusste schon Lichtenberg zu sinnieren? Dass die sog. Reformer sich das Zitat noch nicht als Blendgranate rangeholt haben - naja, im Grund beweist das nur, dass eben Kultur und Bildung hmhmhmhmh...

...und sahnt ab.

77 Mio Euro kostet das Schlamassel. Unsere Steuergelder. Und eine dotcom-Klitsche steckt das ein für eine Internetpräsenz VAM der BA, der »virtuellen Arbeitsagentur« des Herrn Gerstner. Wir wissen ja mittlerweile, was da insgesamt an Geldern für die »Öffentlichkeitsarbeit« floss, fliesst, fliessrn soll und wird.

Barrierefrei soll sie sein, die Website. Dabei ist sie das, was »site« bedeutet: eine Baustelle und ein Exempel dafür, wie Internetseiten nicht geschrieben sein sollten: voller Ballast und Fehler. Bereits die Validierung mit dem W3-XHTML-Validator schlägt gänzlich fehl:

I was not able to extract a character encoding labeling from any of the valid sources for such information. Without encoding information it is impossible to validate the document. The sources I tried are:
  • The HTTP Content-Type field.
  • The XML Declaration.
  • The HTML "META" element.
And I even tried to autodetect it using the algorithm defined in Appendix F of the XML 1.0 Recommendation.

Since none of these sources yielded any usable information, I will not be able to validate this document. Sorry. Please make sure you specify the character encoding in use.

Wie gesagt: 77 Mio Euro in 5 Jahren... Na dann: In 2008 werden wir vielleicht eine Ahnung davon bekommen, was da hätte draus werden sollen. Denn so löblich der Versuch war, »modern«, sprich in XHTML 1.0 zu kodieren: Bis dahin ist XHTML 1.0 Schnee von gestern. Wir werden dann erleben, was es kostet, Konstrukte wie

<table class="kopf" width="98%" cellspacing="0" 
cellpadding="0" border="0">
		<colgroup>
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		<col width="68%"/>
		</colgroup>
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		<td width="68%"></td>
		</tr>
		

in Einklang mit den dann geltenden Standards zu bekommen...

Wie heisst es so schön in Der Virtuelle Arbeitsmarkt - Neue Kooperationen auf dem deutschen Arbeitsmarkt ? Marktüblich ja, leider!

Die Gestaltung des Serviceportals orientiert sich an marktüblichen Qualitätskriterien wie schnellem Seitenaufbau, klarer Benutzerführung, Möglichkeit zur Kontaktaufnahme, Unternehmensdarstellung, ansprechender grafischer Gestaltung und umfangreichem Zusatzangebot.

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21.11.2003

Sie Plündern Dich...

... hat einer SPD übersetzt; ob richtig oder nur witzig: Nach dem SPD-Parteitag in Bochum diese Woche wissen wir immer noch nicht, was nun anliegt, getan wird, werden müsste, werden könnte. Ausser Mitgliederbeschimpfung ist nichts so richtig hängengeblieben - ausser den die Schimpfkanonade von Schröder auslösenden Wahlschlappen seiner Mannen Clement und Scholz.

In der taz eine sehr gute Zusammenfassung des status quo - wenig schmeichelhaft für SPD und Wahlvolk. Im freitag findet sich eine Bewertung von Michael Jäger, die sich mit dem »peinlich simplen Gesamtzkonzept« Schröders befasst - wenn's denn überhaupt ein Kozept ist...

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04.10.2003

So langsam erwacht der Michel...

... und die dringend nötige journalistische Begleitmusik im Streichkonzert der (ehemals?) sozialdemokratischen Regierenden kommt in die Gänge:

Die beste Demokratie, die man für Geld haben kann

telepolis, Reinhard Jellen :: Teil 1 :: 20.07.2003 :: Johannes B. Kerner is watching you!
Teil 2 :: 02.10.2003 :: Mehr Despotie wagen - Die Spezialdemokraten rocken weiter
Teil 3 :: 23.12.2003 :: Den Ärmsten nehmen, den Reichsten schenken: Dranbleiben Gerd!

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03.07.2003

Knappheit...

...als Basis von Steuersenkungen: Über Logik des neuesten »Stückchens« der Regierung in der ZEIT von Bernd Ulrich. Nicht-finanzierte Geschenke als Belohnung für den Sozialabbau, wie das wohl geht.

Und Herr Clement macht uns Mut auf die nächsten fetten Jahre.

Amerika, Du hast es besser?

Arbeitsplatzvernichtung statt Vorbild.

Phasen des absoluten Schwachsinns

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30.06.2003

Fakten...

...gegen Legenden nennt die Zeitschrift Junge Welt ihren Beitrag von Rainer Roth; kann eigentlich gar nicht sooo falsch sein, was er da anlässlich eines Vortrags bei ATTAC in Aschaffenburg am 28.05.2003 auführt:

Immer weniger Arbeitende ernähren immer mehr Rentner. Ja und? Immer weniger Landwirte ernähren immer mehr Menschen. Die steigende Produktivität macht es möglich. Immer weniger Arbeiter ernähren immer mehr Wasserköpfe, Verwaltungen, Vorstände, Politiker und sogenannte Dienstleister. Das geht doch auch. Daß Menschen immer älter werden, ist ein Fortschritt. Er kann aus dem Reichtum finanziert werden, der durch die höhere Produktivität erwirtschaftet wird. Aber auf dem sitzt das Kapital.

Wer muss da eigentlich umdenken?

Könnte es am Ende sein, dass wir alle umdenken müssen? Aber in eine andere Richtung, als man uns den Kopf verdrehen möchte? Dass nicht wir die Ignoranten sind? Sondern?

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19.06.2003

Wachstum à la Americaine ?

Wachstum, das isses! Brauchen wir. Dringend. Und da kommen uns Hilfestellungen wie diese gerade recht. Wachstumsbranchen. Brachflächen ham wir. Arbeitslose ham wir. Sex? Naja, ham wir auch - irgendwie.

Sex, Drugs und Schwarzarbeit
Ernst Corinth 05.05.2003

Diese drei Wörter stehen in den USA für Wachstum

Auch die US-Wirtschaft ist in der Krise. Dennoch gibt es zumindest drei Branchen, die weiterhin enorm boomen: Die Pornoindustrie, der Drogenanbau und die illegale Beschäftigung von Landarbeitern. Der dort oder der damit erwirtschaftete Umsatz soll mittlerweile schon etwa rund 10 Prozent des gesamten Bruttosozialprodukts der USA entsprechen. Das behauptet Eric Schlosser in seiner jetzt erschienenen Studie Reefer Madness: Sex, Drugs and Cheap Labour in the American Black Market.

War da nicht was mit »Gottesstaat« oder »göttlichem Auftrag«, die Welt genesen zu lassen? Aber stimmt: wenn's um Knete geht, dann hört der göttliche Spass auf, dann...

Ernsthafter: Ein »Aula«-Beitrag des SDR2 von heute von Hans-Jürgen Heinrichs, Terror oder Demokratie beschäftigt sich umfassend mit den Hintergründen des Verletztseins der amerikanischen Seele, den persönlichen Feindschaften von Staatsmännern, dem daraus resultierenden Weltgeschehen, dem militärischen Überstülpen-Wollen einer Demokratie, die in den islamischen Staaten keiner haben will.

Die amerikanische Hegemonialpolitik scheint einerseits Hoffnungsträger für eine Befriedung der Welt zu sein. Andererseits könnten die USA an ihrer militärischen Übermacht und der damit verbundenen Hybris zerbrechen. Es fragt sich, ob nicht Amerikas "Vision" einer Demokratisierung der arabischen Staaten an der harten Wirklichkeit eines anwachsenden Terrorismus zuschanden wird. Der Kulturtheoretiker Dr. Hans-Jürgen Heinrichs stellt nicht nur die politischen, sondern auch die psychologischen Beweggründe dieser Entwicklungen dar. Und er zeigt, wie sich unsere Vorstellungen von Krieg und Frieden in Zukunft verändern werden. (Programmtext, SDR2)

Sehr lesens- und hör-wert

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16.06.2003

Nachgedacht: Alternativen

Die Zukunft sieht düster aus, welche Alternativen gibt es denn zu dem, was uns bevorsteht? Wer verteufelt wen, wer quasselt nur nach, wer hat Ideen? Eine Linkliste zum Thema

»Sozialaufbau«

Warum quälen wir uns eigentlich
DIE WELT, Birgit Vanderbeke :: Über Kurt Tucholsky, die Demokratie und die Deutschen :: Am 28. Februar 1933 brannte der Reichstag. Kurt Tucholsky schrieb einen Brief.
...
"Darauf hinzuweisen ist: eine neue geistige Bewegung, die stark genug wäre, das öffentliche und vor allem das private Leben praktisch zu beeinflussen, gibt es in Deutschland zur Zeit nicht. Die Republik hat keine Idee; sie ist schwächlich, nachgiebig, unsicher. Sie lässt alles Wichtige unangetastet, weil sie Angst hat. Unterdessen gehen die alten Gewehre auf neue Reisen." K.T., 1924

Das Notpaket
FR, Dieter Oberndörfer :: Aussichten bietet Schröder nicht :: Den Kern der von Bundeskanzler Gerhard Schröder im Bundestag vorgelegten Agenda 2010 bilden Maßnahmen zur Senkung der Kosten der Arbeitslosenhilfe, der Gesundheitsversorgung und der Renten. Auch wird in zaghaften Ansätzen versucht, den Arbeitsmarkt zu flexibilisieren und parasitäre Mitnahmeeffekte der bisherigen Sozialpolitik zu beheben. Sie tragen der Tatsache Rechnung, dass die sozialen Sicherungssysteme schon bald nicht mehr im bisherigen Umfange finanzierbar sein werden und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft - und damit letztlich auch unser Sozialstaat - nur durch Senkung der Lohnkosten und die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes perspektivisch erhalten werden kann.

Habermas und Derrida: Philosophen fordern die »Neugeburt« Europas. Bedeutet das, ALLES neu? Oder gibt es Bewährtes, was man nicht auf's Spiel setzen sollte? Werr weiss, wo's lang geht?

Die Feigheit der Flickschuster
DIE ZEIT, Elisabeth Niejahr :: Kanzler Schröder will den Sozialstaat umbauen. Doch er spart nur innerhalb des alten Systems. Damit die Agenda 2010 länger als ein Jahr hält, müsste es neu finanziert werden – durch Steuern statt durch Beiträge.
   Manchmal sterben auch Erfolgsmodelle leise. Dem rheinischen Kapitalismus ergeht es gerade so. Allmählich verschwindet vieles, was typisch deutsch war: Die alte Selbstverwaltung der Sozialsysteme durch die Tarifpartner wird geschwächt, die Kopplung der Sozialstaatsfinanzierung an den Lohn aufgebrochen. Die deutsche Sozialversicherung war die Antwort auf die sozialen Probleme des 19. Jahrhunderts, bis heute wird sie durch den Gegensatz von Arbeit und Kapital geprägt. Der alte Bismarcksche Sozialstaat bedeutete Beitragsfinanzierung, Selbstverwaltung, Parität. Schröders Sozialstaat bedeutet den Abschied vom Alten – aber es fehlt ein Gegenmodell.... [*]

Entlassungen kosten einfach zu viel
SZ :: Eine SZ-Expertenrunde diskutiert über Modelle zur Arbeitszeitflexibilisierung – als Alternative zur Kündigung :: Die Entlassung von Mitarbeitern gilt als Ultima Ratio, als äußerstes Mittel. Da verwundert es, dass über eine weitaus weniger einschneidende Maßnahme, die Flexibilisierung der Arbeitszeit, kaum nachgedacht wird. Dass geradezu leichtfertig das Heer der Erwerbslosen vergrößert wird. „Ich habe einen Vorschlag“, sagt Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall in Bayern und Mitglied im Aufsichtsrat von BMW sowie stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der FAG Kugelfischer in Schweinfurt.

Schon lange keine Erfolgsstory mehr :: Sozialstaat in schwierigem Fahrwasser :: gew-magazin
Die Schlüsselentscheidungen für den heutigen deutschen Sozialstaat sind zumeist in den 50er- und 60er-Jahren der alten Bundesrepublik gefallen. Viele Elemente privater Vorsorge waren durch Krieg und Inflation zerstört. Eine kräftige Verbesserung der zuvor eher spartanischen Sozialversicherungsleistungen sollte dies kompensieren. Die Beschäftigungsdynamik der Wiederaufbauphase sprach dafür, die Koppelung der Versicherungspflicht an den Arbeitnehmerstatus beizubehalten. Auf Mindestsicherungselemente und Stützungsmaßnahmen für Kleinverdiener wurde angesichts der Vollbeschäftigung verzichtet. Der konsequente Sozialstaatsausbau hatte auch ein politisches Motiv: Die Sozialstaatlichkeit diente der Legitimation der neu gegründeten Bundesrepublik. Der Ost-West-Konflikt zwang zudem, das sozialpolitische Profil zu schärfen.

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29.04.2003

Sekundäres...

... zum Thema liefert nun auch die Presse:

- Die McKinsey-Gesellschaft :: telepolis, Krystian Woznicki   20.04.2003 :: Das ökonomische Programm der Effizienzsteigerung hat bereits alle Bereiche der Gesellschaft erfasst

Accenture, Roland Berger, Bain, Booz Allen Hamilton, Price Waterhouse, Oliver Wyman & Company, The Boston Consulting Group, A.T. Kearney - der Markt ist voll mit Consulting Unternehmen, die bald nicht mehr weg zu denken sein werden aus unserem Alltag. Bereits jetzt prägen sie ihn durch ihre Informationsüberlegenheit und durch ihre Definitionsmacht über Lifestyle-Modelle. Allen voran  McKinsey & Company, die 1926 gegründet wurde.

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24.04.2003

Die Studie

Ach du liebe Güte. Das hat uns noch gefehlt. Die Politiker, die können uns mal, aber alle. Aber der ADAC, der ist super!

Aber nun erst mal schön der Reihe nach: Da befragt McKinsey (na klingelt's schon?) im trauten Verbund mit stern, ZDF, t-online und weiteren (auch interessanten!) Partnern online ca. 360.000 Bürger; wer also »nicht drin« ist, ist draussen.

Ziel von det Janze?

Die Ergebnisse der Befragung sollen erneut die öffentliche Diskussion anregen und den Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft konkrete Handlungsansätze aufzeigen. Wir wollen aktiv auf eine Veränderung Deutschlands einwirken.

Studienhintergrund

Politik und Wirtschaft? Aha! Arbeits- und Ausbildungsplätze und so, Verantwortung. Beine machen und so. Gemach, gemach, dazu später mehr. Erst die Verwirrung, dann das Vergnügen.

Als ob PISA nicht genug wäre um es mental zu verdauen. Nein. Das musste jetzt auch noch sein. Die Deutschen mögen sie alle nicht, die Politiker, Regierung wie Parlament nicht, die Gewerkschaften nicht, das Arbeitsamt nicht, die Arbeitgeber n... - HALT!!!

Arbeitgeber? Wass'n das? Kommen die vor?

Na klar:

  • Eine stärkere Zusammenarbeit der Arbeitsämter mit Arbeitgebern und mehr Druck auf Arbeitsunwillige. (2 Zitate)
  • Was sich ändern soll: Die Forderungen zielen auf eine stärkere Arbeitgeberorientierung und auch auf eine Erhöhung des Drucks auf Arbeitsunwillige.
  • 61% der Bürger fordern einen Wechsel hin zu einer engeren Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern. Eine Erhöhung des Drucks auf Arbeitsunwillige befürworten 58% der Bürger.
  • Die Empfänger von Arbeitslosenhilfe bzw. Arbeitslosengeld halten ebenfalls zu 62% eine stärkere Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern für die wichtigste Verbesserung.
  • Obwohl die Sozialwerke der beiden großen Kirchen zu den größten Arbeitgebern Europas gehören, sind sie weniger als der Hälfte der Bürger bekannt ("hohe Bekanntheit" bei 45% bzw. 39%; zum Vergleich: ADAC 86%).
Da freuen sie sich aber, die Arbeitgeber und ihre Verbände, dass nicht nach ihnen gefragt wurde. Ich wäre da beleidigt, ausser, das Ergebnis... Lassen wir's dabei. Bleiben wir positiv: Was halten die Deutschen von Arbeitsplätzen?

Fehlanzeige. Das Wort »Arbeitsplatz« taucht im gesamten Kurzbericht nicht auf; und wo der Singular nicht präsent ist, da auch kein Plural: »Arbeitsplätze« gibt es auch nicht ( [lokal gespiegelter Kurzbericht], Stand: 24.04.03).

So. Jetzt noch mal ganz von vorne: Was ist der Sinn der Befragung? McKinsey GmbH und Co. KG OHG... möchte »...aktiv auf eine Veränderung Deutschlands einwirken.«

Das klingt doch gut, oder? Und deshalb spannen sie sich alle vor den Karren: Weizsäcker a.D., Brüderle, Ulla Schmidt & Renate und wie sie alle heissen. Nette Jungs & Mädels da, die dazu was ablassen. Super. Da zieht es einem die Socken in den Schuhen aus; also ein Fauxpas? Mitnichten. Das hat Methode, das passt in die Landschaft: Sozialabbau, Abbau von Bürger- und Arbeitnehmerrechten, Entsolidarisierung, Ich-AG, Porsche-für alle - nein, stop, halt, das stimmt nicht.

Aber dass jeder Sozialhilfeempfänger sich finanziell nackt ausziehen muss, der von jeder Bank gelittene & gehätschelte Bankkunde mit den verschämt zur Seite geschafften Zinsen sich aber erfolgreich gegen »gläserne Taschen« wehren darf - das stimmt. Und dass offenbar diese Rasselbande es jetzt wirklich bald geschafft hat, der Mehrzahl der Bürger in diesem unserem Lande den Schädel leer zu blasen vom letzten Rest an Selbstachtung und Eigeninteresse - das ist gewisslich war.

Wie anders ist es denn sonst zu verstehen, dass der ADAC ein höheres Ansehen geniesst als eine Gewerkschaft? Oder liegt's einfach an der ...

Der Fragebogen war so aufgebaut, dass die Antworten bei der Auswahl der weiteren Fragen automatisch berücksichtigt wurden. Durch diese intelligente Frageführung wurden für jeden Teilnehmer nur die Fragen herausgefiltert, die für ihn auch relevant waren.

... Fragestellung?

I wanna have fun, gell? Oder doch besser Druck?

Ach so: Ja, dass wir den Politikern nicht mehr über den Weg trauen, und das seit langem, das haben wir doch auch so schon gewusst oder gespürt oder gelesen oder gehört oder irgendwie, oder so...? PISA hat eben auch Aus- und Nachwirkungen, da beisst sich der leere Schädel ins Auge - oder wie das heisst.

Oh Herr, schmeiss Hirn 'ra!


Der Kurzbericht

»Kurz«, das sind 40 Druckseiten. Bei McKinsey üblich, eher mehr. Das heisst aber noch nicht, dass Inhalt in gleichem Umfang vorliegt. Im Gegenteil: Das Gewicht, der Umfang vernebelt die Sinne. Man hat den Bock zum Gärtner gemacht, das Ergebnis definiert und danach die Frage-Strategie entworfen; das zeigt sich auf Schritt und Tritt.

Wenn man der »Studie« folgt, dann gibt es die folgenden relavanten gesell-schaftlichen Gruppen:

  1. Die Bevölkerung/die Bürger
  2. Das politische System (Regierung, Parlament, Verwaltungen, Polizei)
  3. Die Institutionen (Arbeitsamt, Gewerkschaften, Kirchen)
  4. Die Sozialen Sicherungssysteme (Gesetzliche Rentenversiucherung, Krankenkassen, Priv. Krankenversicherungen, Krankenhäuser)
  5. Die öffentlichen Bildungseinrichtungen (Kindergärten, Schulen, Hochschulen)
  6. Die Verbände (Umweltverbände, Greenpeace, ADAC...)

Ausser in den Konkretisierungen »Arbeitsamt« und »Gewerkschaften« kommt Arbeit, kommen Arbeitnehmer nicht vor; auch Rentner existieren gewissermassen nur als Abnicker ihrer eigenen Exekution. Damit entfällt auch der »kapitalistische Widerpart«, der Arbeitgeber; Machstrukturen beschränken sich auf die Spanne Regierung via Parlament und Arbeitsamt bis zum ADAC. Hat man Worte. So stellt McKinsey also sich (und uns!) die Welt vor...

Da man getrost davon ausgehen darf, dass auch eine noch folgende »Voll-version« dieses Ergusses nichts habhafteres enthalten wird, darf man genau so getrost unterstellen, dass dieses Machwerk von denen gewollt und gefördert wurde, die nicht erscheinen. Na? Von wem wohl? Und zu guter letzt muss man kostatieren, dass diese Form der Volksverdummung nun wirklich nicht hätte sein müssen, ja - nicht hätte sein dürfen. Zu dünn ist das wissenschsftliche Mäntelchen. Es stimmt eben noch immer:

»Trau' keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.«

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