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17.06.2003

Wachstum

	Date: 17 Jun 2003 08:51 GMT
	From: pepmh@t-online.de (Eckhard Schulze)
	Subj: Re: Wachstum
	To: "Reinard Schmitz" 
  

Hallo Reinard,

Zum "Wachstum" folgendes:

Aus meiner Sicht existiert seit vielen Jahren in den Köpfen der "Ökonomen" (i.w. Volkswirtschaftler und ökonomisch angehauchte Soziologen) eine Denkblockade. Das nach wie vor vorherrschende Prinzip in der Weltwirtschaft ist die "Expansion" und die "Gewinnmaximierung", von denen man sich Vorteile für Alle verspricht; jedenfalls so die Theorie. Die Wirklichkeit und die Folgen kennen wir.

Nun wird niemand etwas gegen Fortschritt, technische Entwicklung, verbesserten Stoffeinsatz etc. etwas haben; jedenfalls solange dies nicht zu mehr Armut, Verschwendung von lebenswichtigen Stoffen usw. an "anderer Stelle" führt. Auch die sog. "Drittländer" werden an Wachstum zulegen, damit nicht nur das Existenzminimum oder gar weniger zum Leben bleibt. Fraglich allerdings ist, ob wir unser Leben zukünftig mit den gleichen "Denkmustern" und den bekannten Folgen gestalten müssen/können.

Die "Denkblockade" liegt m.E. insbesondere in der Frage, ob es auf Ewigkeiten diese Form der "kapitalistischen" Wirtschaft geben muss. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass die bisherige Form der Wirtschaft zu Energieverschwendung, schlechterer Luft, Klimaverschiebungen usw. geführt hat. Besonders die Menschen in Westeuropa spüren, dass etwas in unserem politischen Denken nicht mehr stimmt. Anders ist die Politikverdrossenheit nicht erklärlich. Die zunehmende Arbeitslosigkeit, die Auswüchse der "Modernität" (z.B. die zunehmende Plattheiten in den Medien -> Titti(y)? Tainment) haben die Menschen zu Recht misstrauisch gemacht.

Ich wiederhole einen Gedanken, den ich bereits in anderen Zusammenhängen mal gesagt oder geschrieben habe:

Es fehlt eine "ökonomische Theorie" für Europa, die auf der Grundlage der sozialen Eingebundenheit zu den Menschen "Wirtschaft" neu formuliert! Hierzu würde z.B. auch die "europäische" Arbeitsteilung gehören, also eine europäische Arbeitsmarktpolitik. Die Politik der unbedingten Aufrechterhaltung der "Souveränität" kostet viel Zeit und lenkt von den wirklichen Notwendigkeiten einer europäischen Neuorientierung ab. Leider sind die Mitgliedsstaaten allzu oft "sequentiell" orientiert; paralleles Arbeiten an den drängenden Themen, so sie erkannt sind, ist leider noch selten.

Um "theoretisch" weiter zu kommen würde vielleicht ein "Denkmodell" helfen! Man stelle sich "Europa" als eine einzige "Firma" mit horizontaler und vertikaler Struktur vor. Wie würde gedacht und gehandelt, wenn eine Konzernführung solch ein "Unternehmensschiff" erfolgreich auf Kurs halten will? Welche "Führungs- und Entscheidungsstruktur" (zentral und dezentral) wäre notwendig? Wie könnte die "Vision" der Gesellschaft aussehen? Solch ein "Denkmodell" kann natürlich nur die Denkarbeit für einige Aspekte erleichtern. Wir leben in einer "vernetzten Welt" mit vielen Steuerungs- und Stellgrößen. Wir sollten aber keine Angst davor haben, Teile der gewachsenen, "chaotischen" Netze in Frage zu stellen und eine eigene Sozial- und Wirtschaftspolitik, sozusagen ein neues "europäisches Netz", zu formulieren, zu gestalten und in bestehende Netze einzubinden.

Um eine Veränderung herbeizuführen braucht es "Visionäre"! Solche Denker sind in den Parteien nicht erwünscht bzw. kommen nicht in deren Organisation an die Schalthebel der Macht. Das ist das Grundproblem der Politik; die bestehenden Parteien streben nach Machterhaltung. Der Typus des Machterhalters ist an Veränderung nicht interessiert. Schlussfolgerung: Es geht nur über eine neue Partei in Deutschland bzw. über eine "Initialzündung" einer neuen politischen Gruppierung in Europa.

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09.05.2002

SPD

		Date: 09 May 2003 10:07 GMT
		From: pepmh@t-online.de (Eckhard Schulze)
		Subj: Aktuelles
    

Hallo Reinard,

Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Politik der SPD ist tatsächlich seit einigen Monaten kaum nachzuvollziehen. Es ist erschreckend, dass die Diskussion der Arbeitslosigkeit sich nicht auf die "Schaffung von neuen Arbeitsplätzen" konzentriert. Und hier geht es dann nicht nur um die sog. Rahmenbedingungen wie "Soziallasten" und Unternehmenssteuern. Es geht vielmehr um Stärkung der "Binnennachfrage", die Finanzierung der Kommunen, die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, neue Innovationen sowie Forschung und Entwicklung, die in vielen großen Unternehmen seit Jahrzehnten brachliegen.

Ein anderer wichtiger Aspekt wird auch nicht in die öffentliche Debatte eingeführt. Europa hat scheinbar nur dann Bedeutung in der Diskussion, wenn es um die Aufnahme von Staaten geht. Hier stellt sich die Frage nach einer konzertierten Wirtschaftspolitik der EG-Staaten. Bekanntlich ist das Arbeitslosenproblem europaweit. Zu fragen wäre, warum es hier keine "europapolitischen" Anstrengungen gibt.

Insgesamt ein klägliches, kleinkariertes Bild der Handelnden in Berlin. Scheinbar sind die Probleme so vielfältig, dass auch das Kanzleramt die Linie und die Übersicht verloren hat. Wo ist das berühmte "Augenmaß" für die Prioritäten und Reihenfolge der notwendigen Schritte.

Die Opposition gefällt sich nach wie vor in destruktiven Vorhaltungen; konstruktive Ideen sind Mangelware. Fazit: Bekanntlich stinkt der Fisch vom Kopf her; es fehlen kreative Köpfe, die sich von der seit vielen Jahren eingeübten "Parlamentsroutine" (Gezänk, Halbwahrheiten vortragen, Diäten erhöhen, ...) absetzen und endlich zukunftsweisende Politik machen.

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